Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 11. Band.1905
Seite: 60
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-^2s£> VOM SCHWEIZER KUNSTLEBEN *CÖ^

ernst gabler der radierer

Ausstellung Dresden, Stuttgarter Künstlerbund

der Kunst schwerer ringen müssen, ihre Ideen
weniger leicht gestalten können. Das Bemühen,
technische Leichtigkeit zu erringen, hat oft zu einseitiger
Betonung der Mache, zu einem Spiele mit
technischen Problemen geführt, aber das ist ein
notwendiges Uebergangsstudium. Das Bemühen, vom
traditionellen Schema loszukommen, neue Formen,
neue Ausdrucksweisen zu gewinnen, mußte teilweise
mit einer Einbuße an formaler Schönheit verbunden
sein. Das ist der Stein des Anstoßes, hier setzen
die Freunde des Alten, die Nörgler am Neuen den
Hebel an. Wer wollte leugnen, daß Nathaniel Sichel
glatter und niedlicher malt als Fritz von Uhde?
Ist aber nicht auch Dürer derber, eckiger als die
zierlichen Miniatoren der Livres d'heures? Jede
künstlerische Umwälzung ist im Anfange etwas grob
und gewalttätig. Jahrzehnte- oder jahrhundertelange
Gewöhnung, langes Wiederholen derselben Formen
erzeugt äußerliche Glätte und Eleganz, die sich
immer mehr von der Natur entfernt und zum Schema
wird. Jede Neuerung muß von vorne beginnen und
sich allmählich ihre Ausdrucksweise erkämpfen.
Die ersten Aeußerungen der gotischen Plastik erscheinen
hart und ungeschickt gegen die routinierten
romanischen Arbeiten. Die Eleganz der Goldenen
Pforte in Freiberg, der Kreuzgruppe in Wechselburg
sucht man in der Frühgotik vergeblich. Und
sind nicht Donatello, Verrocchio und alle die Begründer
der Renaissance herb und ungraziös gegenüber
den Bildhauern der späten Gotik, deren Eleganz
und Zierlichkeit allerdings durch ein vollkommenes
Preisgeben der äußeren und inneren Wahrheit erzielt
ist?

Sollten die »Fremden«, die übrigen deutschen und
die ausländischen Kunstschulen, wie wir wünschen,

es für vorteilhaft erachten, sich ständig an
den Düsseldorfer Ausstellungen zu beteiligen,
so wird sich vielleicht ein Mittel finden, dem
anfangs erwähnten Uebelstande abzuhelfen
und einen gleichmäßigen künstlerischen Maßstab
für die Beurteilung aller Einsendungen
zu finden. Viele Ausstellungsleitungen nehmen
ja schon jetzt das Recht für sich in Anspruch,
in besonderen Fällen auch solche Werke zurückzuweisen
, welche die Jury einer einzelnen
Abteilung approbiert hat. Wenn sich diese
nicht fügen will oder kann, muß allerdings
nach bisherigem Brauche die ganze Kollektion
zurückgezogen werden. Vielleicht läßt sich
schon von Anfang an durch die Entsendung
fremder Vertreter in die Ausstellungsleitung
eine gewisse Einheitlichkeit erzielen. Dadurch
würde den einheimischen Zurückgewiesenen
der Vorwand entwunden sein, sei
es über Cliquenwirtschaft, sei es über Bevorzugung
bezw. Mangel an Kontrolle der Fremden
zu klagen. a. Kisa

VOM SCHWEIZER

KUNSTLEBEN

Tn der Schweiz ist das Kunstleben immer
*■ ein sehr reges. Die öffentliche Kunstpflege
liegt in den Händen zweier Instanzen. Die
eine, offizielle, ist die vom Bundesrat ernannte,
meist aus Künstlern zusammengesetzte »Eidgenössische
Kunstkommission«; die zweite
ist der seit beinahe hundert Jahren bestehende
»Schweizerische Kunstverein«. Leiderarbeiten
die beiden Organisationen nicht immer auf gemeinsame
Ziele hin. Dies wird niemanden
allzustark wundern; es ist »chez nous comme
partout«. Es gibt nun Stimmen, welche behaupten,
der »Schweizerische Kunstverein« habe sich überlebt
; seine fünfzehn Sektionen in den verschiedenen
Schweizerstädten seien stark genug, um des gemeinsamen
Bandes zu entbehren. Lorbeeren seien
auch in Fülle da, um sich würdevoll zum Sterben
hinzulegen; im übrigen sorge die »Kunstkommission«
genügend für die Kunst im Gesamtvaterlande. Ich
bin anderer Meinung. Erstens sind die Wander-
(die sog. Turnus-) Ausstellungen, die der Schweizerische
Kunstverefn alljährlich veranstaltet, noch
immer ordentlich abträgliche Märkte für schweizerische
Kunst, und wer den Künstlern Käufer verschafft
, braucht sich für seine Existenzberechtigung
nicht zu legitimieren. Zweitens gibt der Kunstverein
mit Unterstützung von Privaten und endlich auch
des Bundes das Schweizerische Künstlerlexikon
heraus, ein weitschichtiges Unternehmen, dessen
Redakteur, Prof. Carl Brun an der Universität Zürich,
einen ganzen Stab von Fachgenossen der Kunstgeschichte
und Kunstkritik um sich vereinigt. Seit
1902 sind von den etwa zehn Lieferungen des
Werkes bereits drei herausgekommen, starke Bände
von je 160 Seiten. Ihr Inhalt ist, so weit möglich,
erschöpfend, werden doch sämtliche bekannte
schweizerische Maler, Glasmaler, Emailmaler, Miniaturmaler
, Kupferstecher, Radierer, Holzschneider,
Lithographen, Architekten, Bildhauer, Bildschnitzer,
Kunstschreiner, Medailleure, Wachsbossierer, Goldschmiede
, Kunstschmiede und -Schlosser, Glocken-
und Stückgießer, sowie die Kunsttöpfer aller Zeiten
in dem Buche behandelt. Aesthetische Betrachtungen,
namentlich in Bezug auf die Werke Mitlebender,
sind ausgeschlossen. Die Artikel sind knapp, präzis,
schildern, nach den Erkenntnissen neuester Kritik

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