Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 11. Band.1905
Seite: 87
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DEREN VERHÄLTNIS ZU NATUR UND BILD <^p-

verklärter Form zur Erscheinung und Geltung.
Die große Harmonie ist hier wichtiger als
das rein Gegenständliche. Dämmerung und
Gegendämmerung bilden jetzt die Grundlagen
eines weiteren Naturstudiums, um die großen
Klangharmonien zu unterstützen und im Sinne
der Natur zum Ausdruck zu bringen.

Böcklin, denn wenn ein Maler, um einen
Gegenstand zur Geltung zu bringen, seine
edelsten Mittel verausgabt, so muß der Gegenstand
in edelster Form erscheinen, eine
Mutter mit dem Kind zur Mutter Gottes werden.

Mit einem eingehenderen Studium von Ton
und Farbe sehen wir bei Tizian, namentlich

TIZIAN

DAS TOCHTERCHEN DES STROZZI

In Bezug auf das Gegenständliche möchte
ich hier etwas aus dem Schickschen Tagebuch
von Böcklin zitieren. Schick erhält
von Böcklin eine Korrektur über eine Mutter
mit Kind. Als die Korrektur vorüber ist,
ruft Schick ganz erstaunt aus: „Nun ist's ja
keine gewöhnliche Mutter mehr, sondern eine
Madonna". Dies sei ganz natürlich, meint

später, eine für die damalige Zeit vollständig
neue Natur- und Kunstanschauung Platz greifen,
die folgendermaßen zu erklären ist: Wenn
wir einen Raum, einen Gegenstand auf seinen
Ton, seine Farbe hin ansehen, so stellen wir
unsere Augen anders ein, als wenn wir eine
bestimmte Form oder ein Detail fixieren. Im
ersteren Falle sind die Sehlinien parallel ge-

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