http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_11_1905/0183
-*=4^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^=v~
Philipp Franck's urgesunde, farbige und selbständige
Malerei kommt in einer »jungen Mutter< zur
schönsten Geltung, die in einem braunrot tapezierten
Zimmer vor einem großen Mahagonischrank sitzt,
die blaugestreifte weiße Bluse geöffnet hat und
ihrem im Steckkissen gebetteten Kinde die Brust
reicht. Bei einem zweiten Bilde »Die Abrechnung«
— die gleiche junge Frau mit ihrer Köchin — stören
Härten der Zeichnung und Farben. Zu den sympathischen
Leistungen in dieser Ausstellung gehören
eine »Winter«- und eine »Vorfrühlings-Studie« von
Hans Klohss, die, auf wenige ruhige Farben gestellt
, bei aller innigen Naturempfindung den Vorzug
des schönen Tons besitzen, ferner einige mit
feinem Gefühl für malerische Reize von August
v. Brandis gemalte Interieurs, ein in der Stimmung
sehr echter und ersichtlich mit innerster Anteilnahme
in seinem Farbenreichtum geschilderter
»Frühling in Toskana« von Carl Langhammer.
Auch Max Uth's von der untergehenden Sonne
angestrahltes Badehäuschen an einem weiten, in den
kalten Tönen des Abends schimmernden »See« und
Oskar Frenzel's »Drohendes Wetter« über Feldern
mit schweren Bracht-Wolken passieren noch.
Wenig Freude aber bereitet Hans Herrmanm mit
einer farbenreichen »Kaiserregatta in Grünau« und
einem »Juninachmittag am Potsdamer Platz« den Verehrern
seiner Kunst. Er erschöpft sich in diesen Bildern
vollkommen im Gegenständlichen; die Farbendisposition
wirkt unüberlegt, und von Naturempfindung
spürt man kaum einen Hauch. Noch auffälliger
ist der Verlust an Qualitäten in den neuesten Arbeiten
Skarbina's. Und auch Erich Eltze, von dem
Gutes zu erwarten man gewöhnt ist, enttäuscht mit
einem »Mädchen am Fenster« sehr heftig. Franz
Stassen gerät, wie seine Bilder »Im Paradiese«
und die »Lebensalter« beweisen, mit seinem hochgemuten
Denken immer tiefer in eine greuliche
Bilderbogen- oder Oblatenmalerei, während Werner
Zehme und Berthold Genzmer weiter und nicht
erfolglos bemüht sind, Anschauung und Malerei an
dem Vorbilde Liebermanns zu stärken. Die übrigen
Aussteller: Julie Wolf-Thorn, Karl Wendel,
Normann, Possin, Hendrich, Krause, Meyn,
Meng-Trimmis und Schmidt-Michelsen betätigen
sich in bekannter Weise. Martin Schauss erweckt
mit einem kleinen, in Wachs modellierten weiblichen
Akt »Ein Traum« angenehme Erwartungen.
Eine anschließende Vorführung der ^Freien Vereinigung
der Graphiken hat ihren Hauptanziehungspunkt
in den meisterhaften Radierungen und Holzschnitten
Albert Krüger's nach alten Bildern.
Hier ist die nachbildende, zugleich aber auch wieder
um- und neuschaffende Kunst auf ihrer glänzendsten
Höhe. Schöne Blätter sieht man auch von G.Jahn
und Hans Meyer, interessante Leistungen von
O. H. Engel, Kappstein und Feldmann. F. Kallmorgen
zeigt sich in seinen neuesten Radierungen
von Whistler inspiriert. Dessen »art of ommission«
kann freilich nicht leicht schlimmer mißverstanden
werden. Es gelingt augenscheinlich nur den großen
Künstlern, durch das, was sie verschweigen, groß
zu erscheinen. Hans Rosenhagen
l/'OLN. Die von der Firma Heberle ausgeführte
Versteigerung der Kollektion Bourgeois (vgl.
H. 2 ds. Jhgs.) wurde, wie erwartet, zu einem der
interessantesten Ereignisse im Kölner Kunstleben.
Das Gesamtergebnis der zur Auktion gelangten
Kunstsachen und Antiquitäten betrug 1036970 M.,
das der Gemälde 710658 M.; wenn man das übliche
Aufgeld zuzählt, so ergibt sich die Gesamtsumme
von fast zwei Millionen. Dieser Erlös ist der höchste,
den nicht nur die Versteigerungen der Firma Heberle,
sondern überhaupt bis jetzt eine Kunstauktion auf
deutschem Markt erreicht hat. Für die objets d'art
jeglicher Gattung wurden, wie gewöhnlich, zum Teil
ganz verwunderliche Preise gezahlt: vielfach ja für
wirkliche Kunstwerke, vielfach aber auch für »Raritätchen
«. Die für die Gemälde erzielten Preise
dagegen blieben in mancher Hinsicht wohl hinter
den Erwartungen zurück. Die stärkste Kauflust
konzentrierte sich auf die holländische Schule, und
deren Bilder gingen zum großen Teil nach Amerika.
Im übrigen war das Angebot stark auch von Paris
her, und galt namentlich den Italienern. Eine venezianische
Vedute des Guardi ist bis nach Kairo
verschleppt worden. Die höchsten Preise erzielten:
das interessante große Altargemälde Dalman's
(60500 M.); die Flußlandschaft mit der »Flucht nach
Aegypten«, bezeichnetes Werk des A. van de Velde
(20700 M.); das Doppelbildnis von Velazquez
(25500 M.); die beiden weiblichen Bildnisse von
Seb. del Piombo (35500 bezw. 3S500 M.); die
»Hochzeit im Dorfe« von Watteau (100000 M.). -
Bei den Gemälden neuerer Zeit seien folgende Preise
verzeichnet: Die »Stadt am Meer« A. Achenbach's
(von 1875)hat's noch auf fast 10000 M. bringen können.
Die »Zugochsen« von Rosa Bonheur erzielten
22500M.; auch die beiden anderen Bilder dieser
Künstlerin wurden hoch bezahlt (6—10000 M.); das
weibliche Bildnis von Leibl mit 9000, Uhde's »Anbetung
« mit 4500 M.; die reizenden, freilich ungleichwertigen
Zeichnungen B. Vautier's mit 10—200 M.
In Köln— eigentlich hätte ja doch die Stadt die ganze
Sammlung in Bausch und Bogen zu einem angemessenen
Preise kaufen und so der Oeffentlichkeit erhalten
müssen! — sind die nachstehenden Stücke verblieben
. Im Kunsthandel die beiden Porträts von
Sebastiano, die Grablegung von Botticelli und
das oben erwähnte Bild Watteau's. Ein Privater
kaufte ein Bild »Maria mit dem Kinde« des Brügger
Meisters der Ursulalegende, sowie die ungemein
liebliche Madonna Ghirlandajo's. Das Kunstgewerbemuseum
hat eine Reihe wertvoller Stücke
kirchlicher und Handwerkskunst erworben; das
Wallraf-Richartz-Museum die »Madonna das Kind
anbetend«, eine polychromierte Gruppe aus Lindenholz
, oberitalienische Arbeit des 16. Jahrhunderts.
pREIBURG. Vom 15. Oktober bis zum 15. No-
*■ vember war in den Räumen des Kunstvereins
eine Ausstellung, an welcher sich ca. 20 Künstler
beteiligt hatten, die ihren Wohnsitz im Breisgau
oder im Schwarzwald haben. Die Veranlassung zu
dieser Ausstellung hatte die Absicht des Münsterbauvereins
gegeben, eine beträchtliche Summe zu
Ankäufen von Werken einheimischer Künstler zu
verwenden. Bekanntlich waren auf der Jubiläumsausstellung
in Karlsruhe seinerzeit ebenfalls vom
Münsterbauverein bedeutende Ankäufe gemacht
worden. Alle diese Kunstwerke werden der Stadt
zur Verfügung gestellt, welche sie dann in ihre
Gemäldehalle aufnehmen kann. Da fast nur Gegenstände
aus der Heimat gewählt worden waren, hatte
die Ausstellung ein ganz besonderes Gepräge erhalten
. Die besten Werke, welche angekauft wurden
, sind: H. Dischler »Winter in St. Märgen«;
W. Haller »Verklungenes Lied«; L.Zorn »Trübes
Wetter im Schwarzwald«; Fritz Reiss »Ein Geheimnis
«; K. Spitz »Sturm auf der Höhe«; Prof.
Karl Heffner »An der Dreisam«; Karl
Schuster »Die St. Oswaldkapelle im Höllental«;
sämtlich in Freiburg wohnende Künstler. Außerdem
nennen wir noch von den beiden in Gutach
wohnenden Malern Prof. Hasemann, »Schwarz-
143
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_11_1905/0183