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Winterlandschaft war ein gutes Bild. Der alte
Knaus war mit einem Genrestück unangenehmster
Art vertreten und dann mit dem drollig liebenswürdigen
Faunsbildchen »Schadenfreude«.— Gleichzeitig
oder bald darauf aber wurde größere Kunst
vorgeführt: Eine ganz kleine, köstliche Tafel (»Abendrot
«) von Mesdag; von Uhde nicht nur der »Patriarch
« (Studie eines Greisenkopfes«\ auch das
bekannte Bild »Es ist nicht ferne mehr zur Herberge
«. Dann war Böcklins edles Pathos vertreten
durch die »Nacht« und Corots Lyrik durch eine
kleine Landschaft (»Die alte Brücke«), von reizvollster
Duftigkeit im Ton, wenn auch nicht gerade zu seinen
Meisterwerken zählend.
Der Kunstverein trat eine Weile in den Hintergrund.
Man sah damals eigentlich nur ein gutes Bild: nämlich
die Waterloo-Szene »Vincere autmori« von dem
jungen Kohlschein; sie ist durch die Düsseldorfer
Ausstellung 1902 erstmalig bekannt geworden und ist
zweifellos eins der besten Schlachtengemälde neuerer
Zeiten. — Darnach aber kamen wieder häufiger gute
Sachen: so eine Anzahl Landschaften von Eugen
Kampf, mit den bekannten Vorzügen seiner Kunst.
Von H. Busch (Berlin) ein Bild »Eingang zum
Friedhof«, in dem die Kontrastwirkung zwischen
der lachenden Sommersonne und der ernsten Stille
der Totenstätte sehr gut herausgebracht ist. Von
F. von Wille eine Reihe neuer, prächtiger Eifel-
landschaften; besonders hervorzuheben der »Raufrost
« und das »Bergnest«, beide von frappant sicher
erfaßtem Charakter dieser herben Landschaft. Dann
noch ein paar der zarten Bildchen des Karlsruher Landschafters
Harbers, besonders fein das Wiesenidyll
»An der Nied«. Interessant war endlich eine Kollektiv
-Ausstellung (34 Nummern umfassend) von Hans
Kempen, einem jungen Kölner Künstler. Es sind
teils Interieurs, teils landschaftliche Motive (aus
Dachau und namentlich vom Rhein); am selbständigsten
aber erscheinen die Porträts (in der Mehrzahl
solche von Kindern), sie sind sicher in der
Charakteristik und im Festhalten unbewußter momentaner
Bewegung. Was alle seine Bilder auszeichnet
, ist die resolute, manchmal fast derbe
Farbenfreudigkeit. fortlage
l_I ANNOVER. Am 18. November wurde die Herbst-
* *■ ausstellung des Kunstvereins für Hannover nach
etwa achtwöchentlicher Dauer geschlossen. Ihre
künstlerischen Darbietungen sind so reichhaltige
gewesen und haben so sehr den Beifall der Künstler
und Kunstfreunde gefunden, daß man mit Sicherheit
hoffen darf, die neue Veranstaltung werde Bürgerrecht
im künstlerischen Leben der Stadt gewinnen
und nach und nach zu einem vollwertigen Gegenstücke
der großen Frühjahrsausstellung sich gestalten
lassen. Neben den hier bereits genannten
Kollektivausstellungen sind im Verlaufe der Ausstellung
noch herkomer-London, sterl-Dresden, mit
einer kleineren Auswahl von Bildern, Gustav Koken
und Otto Rauth-Hannover, CoHEN-Paris, Hermanns
und WiEDERHOLD-Hannover, mit größeren,
zum Teil wertvollen Kollektionen auf den Plan getreten
. Die große, etwa 500 Arbeiten in Tusche, Federzeichnung
, Gouache und Oel umfassende Sammlung
aus dem Verlage der »Fliegenden Blätter*, gab einen
vollwichtigen Beweis von der künstlerischen Bedeutung
der modernen Illustration und übte einen besonderen
Reiz sichtlich auch auf das große Publikum
aus. Wie die gesamte Ausstellung, die alle 17 Säle
des Künstlerhauses füllte, äußerlich imponierend
in die Erscheinung trat, so hat sie auch erfreuliche
ideelle und materielle Erfolge erzielt: eine Reihe
hervorragender und interessanter Künstlercharaktere
sind, durch eine bunte Auswahl ihrer Arbeiten von
allen Seiten klar beleuchtet, dem Publikum vorgeführt
, oder wenigstens, wie Gabr. Max, von Uhde,
Liebermann etc., durch bedeutsame Arbeiten vertreten
gewesen. Gegen diesen ideellen Gewinn
steht auch der materielle nicht ganz zurück: der
Besuch war, namentlich in Anbetracht, daß hier ein
neues Unternehmen sich um die Gunst eines konservativen
Interessentenkreises bemühen mußte, sehr
rege und der Verkauf unerwartet günstig. pl.
l/~ ARLSRUHE. Unsere Stadt beherbergt gegenwärtig
zwei sehr interessante Nachlaß - Ausstellungen
hiesiger bekannter und hochverdienter Künstler. Die
»Edmund kanoldt-Ausstellung« gewährt uns einen
trefflichen Ueberblick über das ganze ideale, künstlerische
Schaffen dieses vielleicht begabtesten Schülers
von Friedr. Preller, dessen Spezialität, die heroische,
stilisierte, klassische Landschaft mit mythologischer
Staffage, er mit großem Glück und feinstem Verständnisfortsetzte
. Die »Hugo Knorr-Ausstellung«
zeigt uns in der Wahl und Auffassung der dargestellten
künstlerischen Motive den direkten Gegensatz
zu der vorigen. Stets bewahrte der einer
ernsten Lebens- und Kunstauffassung zugetane
Meister die Tradition seiner ostpreußischen Heimat
und so hat auch seine Kunst etwas fast Kaltes,
Nordisches, Korrektes, das der klassisch-frohen,
idealen Natur Kanoldts stets fremd blieb. — Im
hiesigen Kunstverein hat Professor Ludwig Dill
eine Kollektion seiner Dachauer Landschaften ausgestellt
, die in ihrer großzügigen, potenzierten Auffassung
der Naturformen, bei feinster und subtilster
Farbenharmonie, wahre Leckerbissen für künstlerische
Feinschmecker — aber auch ausschließlich
nur für diese — abgeben, während das landläufige
Kunstvereinspublikum ratlos ihnen gegenübersteht.
Auch die Kollektion des Trübner-Schülers Alfred
Schnars ist eine sehr beachtenswerte Leistung
echten Kunstverständnisses.
1V/IÜNCHEN. Das im vorigen Heft von uns er-
wähnte Gerücht von dem Plane einer in Berlin
einzurichtenden permanenten Ausstellung der Münchener
Künstlergenossenschaft bestätigt sich nicht.
Die dahin zielenden Vorschläge gingen von Herrn
von Bayer aus, sind aber abgelehnt worden.
PERSONAL- UND
ATELIER-NACHRICHTEN
OERLIN. Professor Ludwig Pietsch, der be-
kannte Illustrator und Schriftsteller, begeht am
25. Dezember ds. Js. seinen 80. Geburtstag.
pvRESDEN. Prof. Dr. Jean Louis Sponsel wurde
als Nachfolger von Professor Lehrs zum Direktor
des hiesigen Kgl. Kupferstichkabinetts ernannt.
PjRESDEN. Am 15. Dezember ds. Js. sind 100 Jahre
verflossen, seit Ernst Rietschel in Pulsnitz
geboren wurde. Dresden besitzt bekanntlich ein
eigenes Museum mit Abgüssen der Werke des am
21. Februar 1861 hier verstorbenen Meisters.
/GESTORBEN. Am 22. November, 51 Jahre alt,
der holländische Landschaftsmaler Theophile
de Bock, in Deutschland durch wiederholte Teilnahme
an den Kunstausstellungen wohlbekannt.
Unsere Zeitschrift hat in den Jahrgängen IX (Heft 20),
XI (Heft 15) und XVI (Heft 24) mehrere seiner
Werke vorgeführt.
Ausgabe: 15. Dezember 1904
— Sämtlich in München
Redaktionsschluß: 1. Dezember 1904
Für die Redaktion verantwortlich: F. Schwartz
Verlagsanstalt F. Bruckmann A.-G. — Druck von Alphons Bruckmann.
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