Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 11. Band.1905
Seite: 193
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GEORG WRBA

KAMINFRIES

UBER MUNCHENER PLASTIK

Von Alexander Heilmeyer
(Schluß)

Als Ausdrucksmittel bediente sich der moderne
Bildhauer fast nur des Modelliertones
. Dieses Material mußte gewissermaßen
zu einer möglichst naturgetreuen Nachbildung
verführen. Sobald man aber diese Eindrücke
auf Stein und Bronze übertrug, wirkten sie
ganz anders. Man stand den Fragen der
künstlerischen Gestaltung ratlos gegenüber und
ahnte doch, wie innig der Charakter der Formgebung
selbst damit zusammenhing. Aus dem
künstlerischen Gestaltungsprozeß heraus die
Form zu entwickeln, diesen weiteren Schritt
zu unternehmen, blieb Einem vorbehalten,
der entfernt von all diesem Treiben auf längst
verlassenen Wegen den Spuren der großen
alten Meister nachging, in ihren Werken die
elementaren Grundsätze der Plastik erkannte
und sie in seinen Arbeiten wieder zur Geltung
brachte.

Schon früher hatten einige weitausschauende
feinsinnige Kenner die besondere Stellung
, die Hildebrand als Künstler in seiner
Zeit einnahm, erkannt. Er allein schien frei
von den allgemeinen Verwirrungen, von den
gefährlichen Einflüssen des modernen Kunstlebens
, in der so viele, selbst hervorragende
Talente zu Schaden kommen. In einer Periode,
wo auf den Ausstellungen einer den andern
an interessanten Darbietungen zu übertrumpfen
suchte, war es im höchsten Grade überraschend,
wieder einmal Werke zu sehen, „in denen sich
ein künstlerisches Erfassen der Erscheinungswelt
rein und unverfälscht offenbarte".

Die Wirkung von Hildebrands Werken auf
der Ausstellung im Münchener Glaspalast
1891 und im Kunstverein war eine sehr starke.
Schon anläßlich der ersten Ausstellung 1884

zu Berlin schrieb Hermann Helferich angesichts
der jetzt in der Nationalgalerie stehenden
Figur eines nackten Mannes: „eine grundlegende
Statue für alle deutschen Bildhauer,
die nach Hildebrand kommen". Eine Kunst,
die mit solcher Sachlichkeit das für die Plastik
Wesentliche, nämlich die Form, betonte, die
in der Welt der reinen Formen das ganze
lebensvolle bewegte Dasein einer Erscheinung
in Marmor oder Bronze dauernd festhielt, die
jede Anknüpfung an gewisse Stoffe und Gegenstände
oder was sonst das Interesse des Laien
am Kunstwerk erregt, eher vermeidet als aufsucht
, eine solche Kunst mußte gerade in
unserer Zeit einen tiefen Eindruck hervorbringen
. Man sah Figuren, die ganz natürlich
und frei aus dem Material hervorwuchsen und
doch seiner Eigenheit völlig entsprachen, deren
Dasein durch dieses bedingt war und zugleich
doch wieder das Materielle-Stoffliche in der
Erscheinung völlig zurücktreten ließen, kurz
eine Plastik der Form, die in der Form die Erscheinung
wunderbar klar und bestimmt zeigte.
Zudem eignete diesen Werken eine gewisse
Naturnähe, ohne daß man an eine Imitation
denken konnte.

Bald ergab sich auch für Hildebrand in der
Ausführung des Wittelsbacherbrunnens Gelegenheit
, die Plastik als raumschmückende
und raumgestaltende Kunst zur Geltung zu
bringen. Unserer sogenannten dekorativen
Plastik fehlte das tektonisch wirksame Element
; wir dürfen nur Schöpfungen, wie z. B.
das sogenannte Brunnenbuberl von Gasteiger
betrachten, so wird uns dieser Mangel ohne
weiteres klar. Derartige Gebilde entbehren
jedes Zusammenhangs mit der Umgebung, sie

Die Kunst für Alle XX. 9. 1. Februar 1905,

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