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-^4sö> ÜBER MÜNCHENER PLASTIK -C^=^
HUBERT NETZER
KOPF DES NARZISS AM BRUNNEN
nüchterner Weise zuweilen in der modernen
Architektur zutage tritt, indem man die
konstruktiven Formen, statt sie gefällig zu
verkleiden, bloßlegt, geradeso wie wenn man
einer Figur Haut und Fleisch nähme, um
das Knochengerüste zu zeigen. Liegt die
Schönheit der Form nicht viel mehr in der
zarten Verschleierung gerade der rein mechanisch
und konstruktiv wirkenden Teile?
Ebenso ins Extrem geht man mit der Forderung
der Materialbehandlung, als ob die bildnerische
Empfindung sich vor allem darin
äußern müßte, zu zeigen, was Stein, Holz und
Bronze sei. Es wäre doch eine starke Verkennung
der eigentlichen künstlerischen Absichten
, statt dem Beschauer ein der Natur nachgefühltes
Bild in von allen Zufälligkeiten der
Erscheinung befreiten Formen ihm artistische
Kunststücke und Experimente vorzuführen.
Und gerade jetzt, wo die Bildhauer wieder
im Besitze aller Ausdrucksmittel sind, um
damit frei schalten und walten zu können,
wäre es sehr zu bedauern, wenn sie auch
nur eine Zeitlang auf dieser Stufe verharrten
und nicht vielmehr darnach trachteten, mit
ihren Arbeiten in eine unmittelbarere Naturnähe
zu kommen, wie sie uns doch aus den
besten Werken aller Meister ihrer Kunst entgegenleuchtet
.
GEDANKEN ÜBER KUNST
Was frühet der Verbindung diente, das führt
heute zur Trennung. Jede originell genannte Malerei
ist nichts als eine Fleckenverteilung, eine Mosaik.
Die Reaktion gegen das Uebermaß der plastischen
Gestaltung hat zur flachen Oberfläche und zum
Körper ohne Tiefenausdehnung geführt. Die Modellierung
ist an demselben Tage verschwunden, da
das Mittel, sie auszudrücken, verbessert erschien,
so daß, was ein Fortschritt für die Holländer war,
für uns ein Rückschritt ist und daß, nachdem wir
der archaischen Kunst entwachsen sind, wir unter
dem Vorwand, etwas Neues zu finden, wieder auf
sie zurückkommen.
Was soll man dazu sagen? Wer wird den Irrtum
, dem wir verfallen, klarstellen, wer wird uns
klare und überzeugende Lehren schenken? Es gäbe
ein noch sicheres Hilfsmittel: ein vollendetes Werk
zu malen, das die ganze antike Kunst zugleich mit
dem modernen Geiste umfaßte, das das neunzehnte
Jahrhundert und Frankreich bedeutete, das Zug für
Zug an einen Metsu erinnerte, und das doch nicht
erkennen ließe, daß man seiner gedacht hat.
Fromentin
In der Schriftstellerei und bildenden Kunst spricht
man jetzt so viel von Realismus; ich weiß nicht,
was man damit will. Das Tüchtige, aus der Wirklichkeit
Gegriffene, Natürliche, Lebenswahre und
-Warme galt von jeher als ein Vorzug in der Kunst;
jetzt sucht man das Uebertriebene, Outrierte, Wüste,
Häßliche und doch Unwahre hervor und nennt das
Realismus. J0h. Jacob Mohr.
Die Kunst für Alle XX.
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