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-sr4^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <tt^-
oft sehr fragwürdig, aber er hat eine sehr frische
und natürliche Farbe und geht den Wirkungen des
hellen Sonnenlichtes nicht ohne Gefühl und Verständnis
nach. Sind seine Arbeiten, Freilichtporträts
, Frankfurter und orientalische Straßenbilder,
auch längst keine vollkommenen Kunstwerke, so
hat doch beinahe jede ein paar vorzügliche Stellen,
die bezeugen, daß Nußbaum mit Maleraugen sieht.
Jedenfalls gehören seine Freilichtbildnisse einer auf
einem Balkon versammelten Familie und eine
Frankfurter Straße im Sonnenschein zu den interessantesten
Werken in dieser Ausstellung, die auch
noch Fritz Burger
mit einer ganzen Kollektion
seiner entsprechenden
Bildnisse
beschickt hat.
Auf einer recht
anständigen Höhe
halten sich die Ausstellungen
von J.
Caspers Kunstsalon,
schon darum, weil
von dem Besitzer
mehr Wert auf das
Vorhandensein vorzüglicher
und bewährter
Kunstwerke
gelegt wird, als auf
absolute Neuheit der
Darbietungen. Uebri-
gens schließt eins
das andere nicht aus.
So findet man hier
eine neue Schöpfung
von Arthur Kampf,
die nicht ohne Verdienste
ist, eine neue
Version des alten
Themas »Susannaim
Bade«. Im Vordergrunde
des Bildes
stehen, einander Bemerkungen
zuflüsternd
, in prunkvollen
orientalischen
Gewändern, mit lüsternen
Gesichtern
die beiden Aeltesten
vor einem schweren
geschlossenen Vorhang
und blicken mit
den Beschauerdurch
einen Spalt in einen
Raum, in dem Susanna
, hellbeleuch-
tet vom Tageslicht,
im Schmucke ihrer
weißen Glieder in
einem Marmorbassin steht. Die Pointen sind
nicht so heftig unterstrichen, wie sonst bei Kampf,
man kann sogar von Unpersönlichkeit sprechen;
aber als Leistung, als Malerei gehört das Bild
zu den besten des Künstlers. Dann ist ein ausgezeichneter
Claude Monet da, eine über den
Dünsten und Nebeln eines ausgetretenen Flusses
als rote Kugel aufgehende Wintersonne. Das Bild ist
1880 gemalt und gemahnt doch schon sehr an die
23 Jahre später entstandenen Themsebilder. Nicht
ganz so gut ist ein Sisley, eine Allee im Herbst.
Man kennt ähnliche Bilder des Künstlers, aber in
intimerer Ausführung. Nachdem man von Hans
Herrmann in letzter Zeit nur oberflächliche und
AUGUST DRUMM
minderwertige Arbeiten gesehen, freut man sich, an
einem älteren Werke, einem holländischen Markt
mit vielleicht etwas zu reichlicher Staffage, konstatieren
zu können, daß einst durchaus Grund vorlag
, ihn hochzuschätzen. Welche sonore Farben,
welche Schönheit des Tons! Als gute Malerei ist
ein älteres Stilleben von Segantini Braun in Braun
»Schnepfen«, an einer Wand hängend, zu loben.
Man findet ferner vortreffliche Stücke von Emile
Claus, Fritz Thaulow, Alfred Smith, Franz
Courtens, ein paar schöne Corots, Daubignys,
Diaz und Daumiers, sowie je eine prächtige Zeichnung
von Boucher
und Millet. Und
auch Liebermann,
Leistikow, Sle-
vogt,Corinth und
Lesser Ury fehlen
nicht in diesem Salon
, der bestrebt ist,
dem Publikum möglichst
qualitätvolle
Leistungen zu bieten
.
Hans Rosenhagen
F\ ARMSTADT. Der
Kunstverein
brachte noch kurz
vor Jahresschluß eine
interessante Kollektivausstellung
der
Münchener Phalanx.
Entschiedenen Erfolg
hatten freilich
nur die verblüffend
flott gemachten Radierungen
von Heinrich
Wolff. Daneben
wurden Kan-
dinskys vielgestaltige
Arbeiten als Proben
einer starken
eigenwilligen Begabung
gern anerkannt,
doch weckten sie,
wie auch die übrigen
ausgestellten Werke
jüngerer Mitglieder
der Vereinigung, keine
tiefereTeilnahme.
Allgemeinen Beifall
hatte dagegen eine
kleine Sammlung
Herbst- und Winterlandschaften
von
Karl Küstner, deren
gesunde Kraft
den meisten der Phalanxbilder
gegenüber zu besonderer Wirkung gelangte
. In der Wanderausstellung des Verbandes
der rheinischen Kunstfreunde sind mehrere Privatankäufe
gemacht worden, die großherzogliche Gemäldegalerie
hat eine Marine von Schönleber
und eine Waldlandschaft von Wilhelm Bader
erworben. Der Besuch der Ausstellung war anfangs
gering, hat sich aber gegen das Ende erheblich
gesteigert. -r.
/^"ÖRLITZ. Das hiesige Kaiser Friedrich - Mu-
seum erwarb für seine Gemäldesammlung
ein großes Marinebild von Willy Hamacher-
Berlin.
GRABMAL SEINER ELTERN
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