Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 11. Band.1905
Seite: 271
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-*=£s£> ADOLF MENZEL *CÖ^»

adolf menzel

friedrich der grosse und die
seinen bei hochkirch (1856) « «

Geist und Witz bergen, und das sogenannte
„Kinderbuch", eine Sammlung kleiner Blätter,
deren Entstehung mehr als dreißigjahrezurück-
liegt, offenbarten die eminente Geschicklichkeit
, womit er diese Manier beherrscht. Jahr um
Jahr bis in die letzten Zeiten streute er solche
Blätter aus. Vereint mit den Zeichnungen,
die einen immer malerischeren Charakter
annehmen, bilden sie ein Tagebuch bis in das
Ende des Jahrhunderts. Tätig war er auch
danach immer noch, aber er wußte mit der
abnehmenden Kraft zu rechnen und von der
eigenen Natur nicht mehr zu verlangen, als
sie freiwillig darbot. Daher ist es gekommen,
daß er sich auch mit neunzig Jahren künstlerisch
nicht überlebt hat.

Menzels Bestattung heute war kein Leichenzug
, sondern eine weihevolle Feier wie die
Exequien eines Helden. Sein König und
Kaiser, der schon auf den Lebenden die höchsten
Ehren gehäuft, ließ ihn als den Verherrlicher
der Hohenzollern und ihres Heeres
mit fürstlicher Pracht beisetzen. Niemals ist
einem Genius am Ende seiner Erdenlaufbahn
so gehuldigt worden. Aufgebahrt in der feierlichen
Rotunde von Schinkels Museum umstanden
ihn das Kaiserpaar, die Großen der
Hauptstadt und das gesamte illustre Berlin;
Beethoven und Haydn, die er, ein leidenschaftlicher
Freund der Musik, vor allen geliebt
, sandten unter Joachims Leitung ihm
die letzten Grüße. Riesengestalten der Potsdamer
Garde-Grenadiere, die er so gern gemalt
hat, trugen den kleinen Sarg, und die Rosse
des Wagens waren mit dem Symbol des
Schwarzen Adlers geschmückt. Es war ein
Bild so farbenprächtig und überwältigend, daß
nur er selber es hätte malen können!

So zoger, „die kleine Exzellenz" bei sonnigem
Wintertag durch die Straßen, in denen er
fast achtzig Jahre lang, von aller Welt gekannt
und verehrt, gewandelt war, zur letzten Ruhestätte
hinaus, die von seinen Kunstgenossen
feierlich geschmückt, sein Sterbliches empfing.
Manch tiefempfundenes Wort der Bewunderung
und des Dankes ward ihm ins Grab
hinabgerufen, und in der Tat: wirft man den
Blick über sein erstaunliches Tagewerk, dann
darf man sagen: Menzel hat durch sein
Wirken den Malern die Paulinische Verheißung
wahr gemacht: Alles ist euer!

Berlin, 13. Februar 1905. Max Jordan

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