Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 11. Band.1905
Seite: 335
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-^4s£> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^=^

Kunst geworden, aber er hat selbst gesagt:
Meine Kunst ist geschaffen, große Narren zu
machen. Den persönlichsten aller Künstler
nachahmen wollen, das heißt den Meister
selbst gröblich mißverstehen.

Anmerkung: Die Abbildungen zu diesem Aufsatz sind zum
größten Teil nach Photographien aus dem Atelier Bulloz, photo-
graphe d'Art, Paris, 21 rue Bonaparte, hergestellt.

VON AUSSTELLUNGEN

UND SAMMLUNGEN

BRÜSSEL. XII. Ausstellung der Libre Esthetique
(21. Febr. bis 23. März). Nachdem die vorige
Jahresausteilung der Entwicklung des französischen
Impressionismus eine Uebersicht geboten, repräsentiert
die diesjährige eine gewisse, wenn auch beschränkte
Internatio-
nalität, mit besonderer
Betonung des
belgischen Elements
und Berücksichtigung
verwandter,noch nicht
lange verstorbener
Vertreter des Impressionismus
. Der Kreis
der >XX« bildete sich
anfangs der achtziger
Jahre unter ähnlichen
Prinzipien, wie
der Sezessionismus
in Deutschland; die
>Libre Esthetique»
schloß sich ihnen an,
und eine neue Künstlergruppe
»Vie et lu-
miere« gliederte sich
neuerdings daran. Als
retrospektive Kunst
grüßt uns eine glanzvolle
»Aurore« von
»Eugene Verdyen«
(f 1903), getaucht in ein
Meer von rosa Licht-
und Nebelschleiern.
Guillaume Vogels'
(f 1896) Schneelandschaften
, deren rötlicher
Himmel, schnee-
beladene Aeste, verweht
, kalt und weich
zugleich, uns eine
volle Winterillusion
erstehen lassen, sein
»Quartier du Steens
ein Dämmerstück mit
scharf markierten Bausteinen
, dunkel beleuchteten
flämischen
Giebeln und kleinen
roten Flammenpünktchen
, offenbaren eine
Vollkraft und Beherrschung
des Könnens
in so hohem Maße,
daß man sich staunend
fragt, wie es

möglich war, daß ein auguste rodin

solcher Künstler zu den Verkannten gehörte. — Nicht
zu unterschätzen sind auch des Griechen Pericles
Pantazis (f 1884) Leistungen, »L'enfant au coq«,
mit feinen, fast verblichenen braunen Tönen, zeichnerisch
groß angelegt. — Durch Koloristik und eigenartige
Auffassung halten sich die Werke Henri
Evenepoels, der kaum 27 jährig zu Paris (1899)
an der Schwindsucht verstorben, ein schönes Gleichgewicht
. Sein >Kaffeegarten im Quartier latin« erinnert
an den Geisteines Steinlen, nur daß seine Typen
einen mehr angelsächsischen Einschlag verraten.
Fast freskenhaft muten seine »Negertänze« und sein
»Invalidenfest« an. Ganz im Gegensatze zu diesen
eher düsteren Stimmungsbildern zitieren wir ein
Porträt desselben Künstlers im Musee moderne, rot
in rot, trotz der Gewagtheit solch großer, greller Flächen
, durch den goblinartigen Hintergrund fein fon-
diert — eine sympathische Ueberraschung. — Ihm am
stilverwandtesten dünkt uns unter den Ausländernund
noch lebenden Künstlern der Kanadier J. W.Morrice.
Ein Braun, das merkwürdig trocken, wie alt geworden
wirkt, bildet selbst für seine Schneelandschaften
die Unterlage
, und exotisch erscheint
auch seine
»Plage de St. Malo«.
— Von fremden Einsendern
nennen wir
noch eben Theo Earl
Butler, George

Clausen, Curt
Herrmann, Wyn-
ford öewhurst, j.
G. Dreydorff, den
Amerikaner Childe
Hassam, Moffat
Lindner, Nolde (Sizilien
), Joaqim Mir
(Barcelona). Roderic
O'Conor (Paris) fällt
durch ein starkes,
dunkelblau schillerndes
, bewegtes Meer
auf, Dario de Re-
goyos (Trueba, Spanien
) als Architekturmaler
; Francisco
de Itturino's (Villa-
vieja, Spanien)Frauen-
typen erinnern oberflächlich
an Zuloaga,
sind aber flach und
ohne dessen Charakteristik
. Von Ludwig
v. Hofmann (Berlin)
sehen wir einen »Liebesgarten
«, der aber
nur Pose ohne Beseelung
zum Ausdruck
bringt. Ueber-
raschend gut hat
Hart-Nibbrig (Hol-
land)seinen Pointillis-
mus verarbeitet, d. h.
dem Geiste des Bildes
unterzuordnen verstanden
; Stimmung
und Farbe beherrschen
die Technik
vollkommen. Jan To-
roop (Amsterdam)
zeigt in mehreren
statue von balzac Werken seine Viel-

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