Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 11. Band.1905
Seite: 354
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_11_1905/0434
DIE ZUKUNFT DER KUNSTAUSSTELLUNGEN

Von Hans Rosenhagen

Auf keinem anderen Gebiete öffentlicher Betätigung
ist die Scheu, sich mit Tatsachen
auseinanderzusetzen, so groß wie auf dem
der Kunst. Wenn sonst im Leben Einrichtungen
oder Persönlichkeiten sich nicht mehr
bewähren sie mögen vorher soviel Verdienste
gehabt haben, wie sie wollen so
treten eben andere an ihre Stelle, ohne daß
die Welt darüber zugrunde ginge. Nur in
der Kunst ist es anders
. Da soll alles sakrosankt
sein: Die Institutionen
, an die sich
die Künstler einmal
gewöhnt haben und
jeder einmal schwarz
auf weiß festgestellte
Ruhm. Das mag zusammenhängen
mit
der Abneigung aller
Künstler, sich mit
den Alltäglichkeiten
des Daseins herumzuschlagen
. Sodann in
dem menschlich so
begreiflichen Verlangen
,

am Ziele auszuruhen
und die Früchte
großer Anstrengungen
in Ruhe, ohne Aufwand
neuer Kraft zu
genießen. Ja, wenn
dieser Wunsch dem
Wesen der Kunst nicht
so ganz zuwider wäre!
Ein Künstler, der an
einem erreichten Ziele
ausruhen zu dürfen
glaubt, hat fast schon
aufgehört, ein Künstler
zu sein. Die Kunst
will nun einmal immer
voran. Wer nicht mitgehen
mag oder kann,
bleibt zurück. Und der
Staub, den die voraneilende
Kunst und
ihr Gefolge aufwirbeln
und hinter sich
lassen, wird jedem
nicht ganz echt vergoldeten
Ruhme ge-

albert von keller

fährlich. Dessen Mattwerden zu verbergen,
ist natürlich aller zurückgebliebenen Künstler
innigstes Bestreben. Wehe dem, der jene
Tatsache erwähnt, und Fluch der Gelegenheit,
die sie der Welt zur Kenntnis bringt! Daher
die Besorgnis aller Künstler von schwacher
Potenz und fadenscheinigem Ruhm vor der
Kritik, und daher die Furcht, daß die großen
Ausstellungen abgeschafft werden könnten,

die auch minderwertigen
Werken noch ein
Asyl gewähren. Aber
die Verhältnisse sind
immer stärker als die
Menschen. Bei der
enormen Konkurrenz,
die auf allen Gebieten
der Kunst herrscht,
fallen schließlich alle
Rücksichten fort. Aus
dem musischen Spiel
in den Kunstausstellungen
ist für viele
Künstler ein Kampf
ums Dasein geworden,
der dadurch noch grausamer
erscheint, daß
er mit einem Streit um
die Form des Kampfes
kompliziert ist, bei
dem nicht die Beteiligten
, sondern lediglich
die Zuschauer die
Entscheidung zu treffen
haben.

Eigentlich liegt die
Entscheidung schon
vor. Man kann kaum
mehr übersehen, daß
eine allgemeine Abneigung
gegen die großen

Kunstausstellungen
vorhanden ist, selbst
bei dem Teile des Publikums
, das sich im
übrigen ablehnend gegen
alle sezessionisti-
schen Bestrebungen
verhält. Die Mehrzahl
aller Ausstellungsbesucher
hat es grün dl ich
Paradies satt, sich einen Kunst-

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