Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 11. Band.1905
Seite: 371
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_11_1905/0451
DIE FRUHJAHRAUSSTELLUNG DER SEZESSION IN MÜNCHEN

Von Fritz von Ostini

Diese in unserer ungünstigsten Jahreszeit
abgehaltene, leider oft recht schwach
besuchte Frühjahrausstellung ist noch in
mehrfachem und besserem Sinne eine Ausstellung
des Frühlings. Erstens einmal, weil
die Jungen, die Werdenden in ihr zu Wort
kommen, dann, weil in ihr, wie in den Frühlingstrieben
der Natur, so viele Keime zur
fröhlichen Blüte gelangen, die im letzten
Sommer, Herbst und Winter gelegt wurden.
In der Ausstellung ist nichts Verjährtes,
alles, auch das minder gelungene, hat den
Vorzug der Neuheit und Frische und das
bildet den großen, ja einzigartigen Reiz dieser
Veranstaltung, die uns Münchenern wohl fürs
erste keine zweite deutsche Kunststadt nachmacht
. Das verarbeitete Studienmaterial des
vorigen Jahres und des letzten Winters hat
die Grundlage zur Mehrzahl dieser dreihundert
Bilder gegeben, die frisch drauf los gemalt
, nur selten von des Gedankens Blässe
und der verstimmenden Absicht, zu verblüffen,
angekränkelt, meist direkt vor der Wirklichkeit
entstanden sind. So gibt die Ausstellung
ein unverzerrtes, unmittelbares Spiegelbild
unserer derzeitigen jungen Malerei in München
und damit einen schlagenden Beweis
dafür, daß die erstaunliche Kraft dieses Bodens
, neue Talente zu produzieren und der
deutschen Kunst als unverwüstliche Verjüngungsstätte
zu dienen, noch immer die
alte ist. Taucht heuer vielleicht auch kein

ganz neuer Name auf, der eine künstlerische
Sensation bedeutete, vielversprechende und
tüchtig entwickelte Kräfte genug sehen wir
am Werke und von manchem schon wohlbekannten
Künstler finden wir die Beweise
begeisterten, zielbewußten und mächtig fördernden
Strebens. Mit welcher außerordentlichen
Intensität gearbeitet wird, zeigt sich
besonders schön an den Kollektionen von
Max Feldbauer und Leo Putz. Der Erstere
hat die Kraft und den Ernst seiner Begabung
hier noch niemals deutlicher erwiesen, als
jetzt an dieser Serie großer Pferdestudien,
die ob ihrer kühnen, vollsäftigen Malerei
nicht minder zu rühmen sind, wie wegen
der prächtigen Charakterisierung der Tiere.
Ganz besonders unsere schweren,kaltblütigen
Schläge weiß er in Bau, Form und Farbe
mit ebensoviel malerischem Geschmack als
fachmännischer Treue wiederzugeben. Eine
frappante Arbeit ist die riesige Studie nach
einem Bauernwagen mit einem Stückchen
Dorflandschaft dahinter. Wie da mit rein
malerischen Mitteln dem Alltäglichsten Bedeutung
verliehen ist, das setzt eine sehr starke
Persönlichkeit voraus. Leo Putz brachte
einige lebensgroße weibliche Aktstudien.
Das weiche blühende Fleisch des von spielenden
Lichtkringeln überstreuten Frauenleibes
in der Sonne (s. Abb. S. 377) und des
mindestens ebenso guten zweiten Aktes in
zerstreutem grauen Licht sind glänzend ge-

üie Kunst für Alle XX. 16. 15. Mai 1905.

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