http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_11_1905/0464
VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^=v~
ida beer-gortz
Frühjahrausstellung 1905 der Münchener Sezession
derer im modernen Frankreich gefunden als ihn.
Die heitere Sinnlichkeit seiner Kunst läßt ihn als
den Fortsetzer der Maler des Rokoko erscheinen.
Und er ist ein wirklicher Maler, denn seine Farben
verbergen alles und drücken alles aus, was Zeichnung
genannt werden kann. Neben den so berückend
körperhaften Gestalten
Renoirs sehen die Porträts
von Leo v. König,
sovielGeschmack erauch
darauf gewendet, ganz
schemenhaft aus und Arthur
Kampf, der seine
rote Tänzerin aus Düsseldorf
, einen Studienkopf
zudemBilde»Die Schwestern
« und einen »Taubenliebhaber
« in einer
dunkelroten Jacke ausgestellt
hat, gewinnt ebenfalls
nicht in dieserNach-
barschaft, ganz abgesehen
davon, daß man eine persönliche
Art, die Natur
anzusehen, bei ihm vermißt
. Philipp Franck
hat diese persönliche
Anschauung und da er
eine kräftige malerische
Sprache redet,diemanch-
mal freilich etwas laut ist,
behauptet er sich im gewissen
Sinne neben dem
berühmten Franzosen.
Freilich fehlt es hie und
da an Geschmack, besonders
in der Komposition;
aber die Gesundheit und
Frische des Ausdrucks
läßt diesen Mangel und
auch gelegentliche Härten
der Farbe vergessen.
Man findet hier von ihm
die drei lesenden Damen,
die im vergangenen Sommer
inMünchen zu sehen
waren, das Interieur in
Rot und Gelb, das in
Düsseldorf war, einige
sehr ehrliche Porträts
und eine sonnige Dorfstraße
mit ausruhenden
Bauernpferden. Heinrich
Hübner läßt ein
paar neue, geschmackvoll
gemalte Interieurs sehen,
unter denen ein Frühstückszimmer
mit einem
auf den Garten gehenden
Fenster besonders anziehend
ist. In Gordon
Craig lernt man einen
dilettantischen Zeichner
kennen, der in der Art
der Japaner steife Land-
schäftchen produziert
und recht uninteressante
Dekorationen und Figurinen
für Hoffmannsthals
»GerettetesVenedig« entworfen
hat. Otto R.
Langer legitimiert sich
mit Stilleben, einer Landschaft
und einem Porträt als Verehrer van Goghs
und Münchs, ohne von einer besonderen Begabung
zu überzeugen. Man fängt so nicht an, sondern
darf höchstens so aufhören. Hugo Lederer stellt
eine prächtige Bronzebüste des spanischen Ringkämpfers
Peyrouse aus und die feine Marmorbüste
kleinhesseloher see
fritz osswald
aus wildenroth
Frühjahrausstellung 1905 der Münchener Sezession
384
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_11_1905/0464