Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 11. Band.1905
Seite: 404
(PDF, 171 MB)
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~*=^> DIE SCHOLLE <^^~

lerin (Abb. S. 415) — sogar Absichten auf
luminaristische Wirkungen. Solche hat auch
Erich Erler-Samaden, wenigstens, wenn
er seine Motive aus dem Engadin holt, in
denen er das flimmernde, scharfe Licht der
Hochgebirgswelt mit einer die Art Segantinis
vereinfachenden Malweise zu schildern liebt,
ob es, wie in der „Wiesenquelle" (Abb. S. 437),
sommerlich glühend auf felsigen Wegen brennt
oder, wie in der „Morgensonne" (Abb. S. 398)
mit dem Skiläufer, von weißen Schneeflächen
reflektiert wird. In Schöpfungen, die nicht
gerade auf Natureindrücke zurückgehen, sondern
vielmehr Zeugnisse sind von der eigenartigen
Phantasierichtung des jungen Künstlers
, strebt Erler-Samaden ersichtlich nach
dekorativer Wirkung. In Gustav Bechler
besitzt die Vereinigung einen Landschafter,
der einen ruhigen Ausdruck bevorzugt und
eine kräftig betonte Zeichnung mit malerischer
Auffassung zu verbinden weiß. Seiner ernsten
Art sagt die stumme Gebirgswelt am meisten
zu (Abb. S. 396, 402, 425).

Die geschmackvolle Art des Vortrages ist
von jeher ein Kennzeichen der Münchener
Malerei gewesen. In ihr finden sich die
übrigen Künstler der „Scholle" zusammen.
Der rauheste aber auch der kräftigste davon
ist wohl Max Feldbauer
. Er hat eine
etwas summarische
Malweise, die um
so mehr auffällt,
als er für seine
Bilder nicht eben
sehr große Formate
wählt; aber seine
Farbe lebt, hat Ton
und Kraft und
drückt vollkommen
seine Absichten,
die auf die Darstellung
von Pferden
, Hühnern und
bäuerlichen Erscheinungen
gehen,
vollkommen aus.
Er erscheint sowohl
in seinen
Zeichnungen — das
Hindernisrennen
(Abb. S. 410) ist
eine solche — als
auch in dem schwerblütigen
Bilde der
„Frau Nachbarin"
(Abb. S. 411) als
ein durchaus Eige-

GARTENSAAL IN DER VILLA NEISSER, BRESLAU
VON FRITZ ERLER

ner. Der vollkommene Gegensatz von ihm
ist Leo Putz, ein höchst beweglicher Künstler
voller lustiger Einfälle, der augenscheinlich
ebenso leicht, wie Feldbauer mühsam, produziert
und heiter und gefällig malt. Er hat
keinen Stil, außer den der Munterkeit. Das
phantastische Bild des Schneckenwüstlings,
der in wilder Brunst ein zartes Schneckenmädchen
überfällt, ist in einer geschlossenen,
ausgleichenden Art gemalt und auf den
stofflichen Reiz, den etwa eine irisierende
Muschelschale hat, vollkommen Rücksicht
genommen. In der artigen Biedermeier-
scene „Sommers Lust und Freude" (Abb. S.
400) ist die Malweise kurz, flächig, das Stoffliche
gar nicht auseinandergehalten, dafür aber
der reizvollste Lichteffekt erstrebt. Und mögen
die Farben auch hier und da zu glänzend und
zu durchsichtig sein, so finden sich auf dem
Bilde doch sehr aparte Kombinationen von
Tönen, die einen gewählten und persönlichen
Geschmack verraten und fast etwas Musikalisches
haben. Den anmutigen Farbengeschmack,
der die Schöpfungen von Putz von vornherein
empfiehlt, hat auch Adolf Münzer, aber er
kann ihn noch nicht so nachdrücklich äußern
wie jener. Die Ursache liegt darin, daß ihm
seine zeichnerische Begabung hinderlich wird,

wenn er malen will.
Aus Besorgnis, bei
einerweiteren Ausführung
seiner Gemälde
zu zeichnerisch
zu wirken,
beschränkt er sich
auf ein reizvolles
Spiel mit Tönen,
das seinen Bildern
leider etwas Körperloses
, Unfertiges
gibt. Ein paar
in diese halblaute
Farbenmusik hineingesetzte
kräftigere
Noten ändern
an der Tatsache
nicht viel. Das
hier wiedergegebene
Bildnis (Abb.
S. 410) läßt ahnen,
was Münzer vermöchte
, wenn sein
Malenkönnen auf
der Höhe seines
Geschmackes und
seiner immer sicheren
und anmutigen
Zeichnung wäre,

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