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«*=4^> DIE GROSSE BERLINER KUNSTAUSSTELLUNG 1905 <&^r-
obachtung. Ihre absolute Wahrhaftigkeit macht sie
schön, hat ihnen in jeder Beziehung Qualität gegeben
und läßt sie ohne weiteres als Erzeugnisse
einer neueren Zeit erkennen. Im großen und ganzen
ist sich Hans Hermann treu geblieben, obwohl die
Schwankungen des Kunstgeschmacks nicht ohne
Einfluß auf das Aussehen seiner Bilder geblieben
sind. Allerdings muß man bekennen, daß seine
späteren Bilder etwas flauer in Zeichnung und Farbe
wirken, als seine früheren, die oft eine Pikanterie
des Tones und der Farbe haben, wie man sie nur
auf Bildern von Boudin, Chintreuil oder Louis
Francais findet. Freilich ist er nicht immer der
Gefahr der Süßigkeit mit der nötigen Entschiedenheit
ausgewichen; aber für ein gewisses Genre in
der deutschen Malerei und zwar für ein gutes Genre
ist er direkt ein vorbildlicher Vertreter von ausgesprochener
persönlicher Eigenart. Man muß sich
wundern, daß so ausgezeichnete Leistungen, wie er
sie in seinem »Fischerdorf«, in der >Harzlandschaft«:
von 1877, der »Fleischhalle in Middelburg* von 1887,
der »Prinzengracht«, »Volendam« von 1890 und einem
oder dem andern seiner Fischstilleben bietet, bisher
keine Liebhaber gefunden haben. Das sind Galeriebilder
im besten Sinne des Wortes. In gleicher Weise
erfreut die Kollektiv-Ausstellung von Rudolf v. Alt.
Man kann den ausgezeichneten Wiener Meister, der
erst vor kurzem aus dem Leben schied, bis zu einem
gewissen Grade an Menzel messen. In seiner Kunst
ist ebensoviel Ehrlichkeit, Gewissenhaftigkeit und
Unbefangenheit, wie in den Arbeiten des großen
Berliner Künstlers, und die Geschicklichkeit der
Hand ist kaum geringer gewesen. Und wie bei Menzel
erstaunt man, daß Alt in den dreißiger und vierziger
Jahren des vergangenen Säkulums Dinge in der Natur
gesehen hat, deren Entdeckung man den Freilichtmalern
zuzuschreiben pflegt und die man heute kaum
besser darstellen kann, als er damals. Es handelt
sich in dieser Ausstellung im wesentlichen um Landschafts
- und Architektur-Schilderungen in Aquarell,
die teils in Wien und Umgebung, teils auf Reisen
in Italien und Dalmatien entstanden sind und fast
70 Jahre eines unermüdlichen Schaffens illustrieren.
Von der Sonderausstellung Franz Skarbina's
hatte man etwas Besonderes erwartet. Sie enttäuscht
leider sehr, weil der Künstler in der Hauptsache
neuere Arbeiten, darunter sogar recht fatale Friedrichs
-Bilder im Menzel-Geschmack ausstellt, in denen
fast nur die Schwächen seiner Kunst, vor allem eine
körperlose flackrige Farbe und eine sehr oberflächliche
Art, die Wirklichkeit zu sehen und darzustellen,
hervortreten. Es ist ganz unbegreiflich, daß Skarbina
nicht auf ältere Schöpfungen zurückgegriffen hat. Man
hätte sich so gern an seine großen Verdienste um
die Modernisierung der Berliner Kunst erinnern
lassen. Noch belangloser ist freilich die Ausstellung
von Julius Jacob, die ausschließlich Bilder und
Studien von Straßen, Kirchen und Häusern aus »Alt-
Berlin« enthält. Sie interessiert nur sachlich. Als
Aquarellist hat Jacob weder Neues, noch Eigenes zu
sagen. Die Sonderausstellungen von Willy Ham-
macher mit Bildern von der Riviera und aus Venedig
und von Gustav Kampmann mit gar zu schematisch
dargestellten Landschaften wirken herzlich ein-
reinhold max eichler
porträt
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