Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 11. Band.1905
Seite: 422
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Ganzen als Dekoration
fehlt.
Aber mag man
noch so wenig

mit seinen

Schöpfungen

einverstanden
sein — sie prägen
sich der Er-
innerungein,sie
verraten einen

originellen
Geist. Oder
hätte jemand,
der sie einmal
gesehen, seine
„Pest", seinen

„einsamen
Mann", seinen
„Jung Hagen
und die Königskinder
" , den
„grauen Tag"
oder die „Sonnwendnacht
" vergessen
? Man

kann seine
Zeichnung,
seine Malerei
bemängeln; aber
auch in Erlers
Unvollkommen-

heiten ist etwas Eindringliches und Nachhaltiges
. Fritz Erler ist Schlesier, in Frankenstein
am 15. Dezember 1868 geboren. Mit
Zwanzig kam er auf die Breslauer Kunstschule
, wo er bei A. Bräuer, dem Gerhart
Hauptmann im Michael Kramer ein so prächtiges
literarisches Denkmal gesetzt, den Akt studierte
. 1890 war der Künstler ein paar Monate
in München und begann dann mit seiner unvollkommenen
Ausbildung auf eigene Hand zu
arbeiten. Nach zwei Jahren ging es nach
Paris, wo sich Erler drei Jahre lang aufhielt
, kurze Zeit die Academie Julian besuchte
und 1895 im Champ de Mars ein phantastisches
Bild „Im Lande der Lotophagen" ausstellte.
Seit 18P5 hat er sich dauernd in München
niedergelassen. Das wichtigste Dokument
seiner Tätigkeit dürften seine Wandgemälde
für die Villa Neisser in Breslau sein, die ihn
drei Jahre lang beschäftigten (1896 bis 1898)
und ihm ebensoviel Ehre machen wie dem
Mäcen, der einem noch unerprobten Künstler
Mittel und Freiheit gab, zu schaffen, was
er wollte.

Ist Fritz Erler in gewissem Sinne schon eine
in sich fertige und abgeschlossene Natur, so

reinhold max eichler

erscheint Rein-
holdMaxEich-
ler durchaus
noch als ein
Werdender, der
allerlei Anregungen
aufnimmt
und genug
zu tun hat,
sich und sein

Wesen mit
ihnen in Einklang
zu bringen
. Hat Erler
heroische oder
sinnlich- schwüle
Träume, so
träumt Eichler
von der Schönheit
der Gotteswelt
, von der
singenden Lerche
und vom
heiteren Sonnenschein
, vom
Säen und Ernten
, vom Werden
und Vergehen
. Sein Ziel
ist es, die Erscheinungswelt
großzügig darzustellen
, einen Stil zu finden für das, was man
sieht. Millet ist sein Ideal, aber auch Böcklin
und Michelangelo haben ihn angezogen, vielleicht
aber hat ihn FritzErlers Beispiel verführt,
sich an Formate zu wagen, die zu füllen seine natürliche
und schlichte Empfindung ebensowenig
hinreicht wie sein malerisches Vermögen, ob-
schon er als Maler gewiß nicht ohne Gaben
und Eigenart ist. Sein „Naturfest" (Abb. S.394)
verdient als Leistung, als Erfindung, Zeichnung
und stellenweise als Malerei die größte
Achtung; aber die Dimensionen sind zu ungeheuer
; es hat zuviel uninteressante Flächen
und die riesige Seerosen-Girlande verstärkt
den unruhigen Eindruck des Ganzen mehr,
als daß sie ihn aufhebt. Außerdem liegt die Darstellung
einer wilden, unfruchtbaren, unheimlichen
Natur außerhalb von Eichlers Richtung.
Er liebt die Natur, die dem Menschen vertraut
und dienstwillig, die voller freundlicher Wirklichkeiten
ist. Daher geht von seinen Darstellungen
des Landlebens immer etwas Anheimelndes
aus. Den richtigen Menschen
in die richtige Natur zu setzen, darauf kommt
es für ihn an. Dadurch sind auch seine
Bilder „Heugeruch", „Schwüler Abend", „Wer

der kirchturm

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