Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 11. Band.1905
Seite: 428
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^=^> DIE SCHOLLE <^=^

FRITZ ER LER

BURGUNDER

Wandgemälde im Weinhaus Trarbach in Berlin

daß er einen Farbenklang zur Fleckenwirkung
zu bringen sucht. In seinen Bauernbildern
will er das Charakteristische von Bewegungen
schildern, das Lebendige, nicht das Momentane.
Und dieses Lebendige erstrebt er auch im Bildnis
, wie die Studie des lachenden Mädchens
(s. Abb. S. 440) beweist.

Erich Erler-Samaden, dessen Geburtstag
der 16. Dezember 1870 ist, war bis 1897 als
Journalist tätig. Dann zwang ihn eine Erkrankung
zum Aufgeben des Stadtlebens. Er
ging nach Samaden, wo Winterstille und Einsamkeit
auf ihn wirkten, und endlich der Frühling
ihm Genesung brachte. Dort entwickelte
sich auch der Maler in ihm. Er ist als solcher,
da er einen Lehrer nie gehabt, vollkommener
Autodidakt. Er übernahm vieles von der späteren
Malweise Segantinis, weil ihm dessen eigenartige
Technik die Vielgestaltigkeit der auszudrückenden
Materie gut wiederzugeben
schien. Er strebt nicht danach, bestimmte
Farben oder Lichtprobleme zu lösen, sondern
persönliche Erlebnisse vor der Natur,
persönliche Stimmungen zur Darstellung zu
bringen. Die Umstände, unter denen er der
Natur näher trat, erklären zur Genüge, warum
in seinen Bildern die Lust an der Schönheit
der Welt, Gedanken ans Ende, Erwartung und
Resignation sich so seltsam mischen. Im Vergleich
mit seinem Bruder ist er ein beschaulicher
und intimer Maler, dem es nach einer
kurzen Zeit des Schwankens und Suchens
nun auch nicht mehr an Eigenart fehlt.

Sicherer, selbstgewisser tritt freilich Gustav
Bechler auf, den die Vielgestaltigkeit der
Natur, das Splittrige des Gesteins, das Zittrige
des Grases, der Blätter, der Luft im Gebirge
gar nicht kümmert, weil er Kraft, Harmonie,
Einfachheit für seine Schilderungen der Alpenwelt
erstrebt. Wenn nicht eine gewisse Trockenheit
der Farbe vorhanden wäre, erinnerte
er wohl an Leistikow. Er ist Münchner, am
1. August 1870 geboren. Bei Knirr genoß
er den ersten Unterricht; aber sein Bestes
verdankt auch er Höcker. Er ist ausschließlich
Landschafter geblieben.

Max Feldbauer stammt aus der Oberpfalz.
Er ist am 14. Februar 1869 in Neumarkt geboren
und hat schon als kleiner Junge Pferde
geliebt und gezeichnet. Man tat ihn in die
Münchner Kunstgewerbeschule, wo er nichts
lernte. Dann ging er zu Hollösy, der ihn
förderte, und besuchte auch die Münchner
Akademie, in der Johann Herterich und Höcker
seine Lehrer waren. Er ist der herbste aller
Scholle-Künstler bis jetzt geblieben und der
unzufriedenste. Er steckt eben voller Temperament
und ärgert sich über die Fesseln,
die ihm vom Handwerklichen der Malerei noch
auferlegt werden. Er liebt das Rassige, daher

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