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-*^s£> KÜNSTLERBUND-AUSSTELLUNG 1905 IN BERLIN <^^-
freulich sind die Leistungen eines Neulings, v. König mit recht annehmbaren Leistungen
Otto Hettner's, der ein dekoratives „Idyll" hervor. Freilich haben sich KardorfT und
- zwei musenhafte Weiber neben einem auf König Leute von ziemlich charaktervollem
einer Bank einge-
schlafenen Jüngling —
und eine dekorative
Landschaft ausstellt.
Die Bilder verraten
einen sehr mäßigen
Zeichner und wirken
durch das Nebeneinander
von ausschließlich
blauen und gelben
Lokalfarben ziemlich
roh. Fritz Erler's
Zeichnung ist auch
nicht zweifellos, aber
in den Farben seines
Triptychons „Johannisnacht
" steckt doch
schließlich Geschmack
und die Absicht auf
eine gewisse Harmonie
. Zu den erfindenden
und auf das
Schmückende des Bildes
bedachten Malern
gehört im Grunde
auch Hans Thoma,
der sein „Selbstporträt
mit dem Tod", dem zu
allem Ueberfluß noch
ein Elfchen gesellt ist,
und eine arg bunte
neue Landschaft ausstellt
. In seiner Nähe
erscheinen noch mit
ähnlichen scharffarbigen
Arbeiten Walther
Conz und der
jungverstorbene Fritz
Herzog. Als ein
erfreuliches Zeichen
darf man die Tatsache
nehmen, daß das
jüngere Künstlergeschlecht
sich neuerdings
immer eifriger
mit dem Porträt und
dem Stilleben beschäftigt
. Das Bedürfnis
nach künstlerisch
gehaltenen und zugleich
ähnlichen Porträts
ist recht groß und das Gebiet von den
jüngeren Malern bisher leider wenig kultiviert
worden. Hier treten von den Berlinern Konrad
v. Kardorff, Linde Walther und Leo
fritz klimsch
Kiinstlerbund-Ausstellung 1905 in Berlin
Aussehen gewählt.
Trotzdem brauchte
dieser zur Charakteristik
eines Bohemiens
noch einen kalten
eisernen Ofen, einen
weggeworfenen Zigarrenstummel
und eine
merkwürdige Haltung;
aber es wird doch
schon ein Anfang gemacht
. Eugen Spiro
hat für die Darstellung
seiner schönen jungen
Frau, der begabten
Schauspielerin Tilla
Durieux, eine neue
reizende Situation gefunden
, auch das
Oelige, das seine bisherigen
Bilder besas-
sen, abgelegt; aber es
fehlt seinen Farben an
Nerv und Ausdruckskraft
. Das Ganze ist
im Aeußerlichen und
Flauen stecken geblieben
. Sehr viel
besser ist Philipp
Klein's „Bildnis meiner
Schwester", wenigstens
als Anfang.
Zur Ausführung der
an sich feinen Absicht
reichen einstweilen
Geduld und Können
noch nicht aus. Im
Stilleben exzelliert
besonders Robert
Breyer, der eine Kollektion
von braunen
und grauen Vasen mit
außerordentlichem
Farbengeschmack gemalt
. Außerihm wären
Kardorff mit einer
Vase voller starkfarbiger
Blumen in Anlehnung
an van Gogh,
Ulrich Hübner mit
einem Fliederstilleben
und Curt Herrmann mit seinen immer reifer
werdenden neoimpressionistischen Schöpfungen
zu nennen. Heinrich Hübner stellt vortreffliche
Interieurs aus, Ulrich Hübner außer
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