Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 11. Band.1905
Seite: 544
(PDF, 171 MB)
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IX. INTERNAT. KUNSTAUSSTELLUNG IM MÜNCHENER GLASPALAST

arg verlästerten
München!
Franz Stuck's

großes Bild
„Orest und die
Erinnyen" erscheint
hierzum
dritten Male in
einer Ausstellung
, wiederum
neu überarbeitet
, ein Beweis,
wie sehr das
Werk dem Künstler
am Herzen
liegt und welche
Liebe er an die
Bewältigung der

schwierigen
Aufgabewendet,
der Wildheit dieser
Bewegungen
und Verkürzungen
durch eine
ruhevolle, großzügige
Farben-
gebung ein Gegengewicht
und
dem Ganzen Stil
und Einheitlich-
keitzu verleihen.
In zwei Bildnissen
des Prinzregenten
ist wieder
durch die markige Einfachheit von Stuck's
Darstellung die vornehmste dekorative Wirkung
erreicht und lebendigste Aehnlichkeit
dazu. Unter den ungezählten Bildnissen des
hohen Herrn, die in den letzten Jahrzehnten
geschaffen wurden, stehen diese beiden in
erster Reihe. Die Perle der Stuck-Kollektionale
ist neben dem sinnlich frohen Faunbilde
die mit meisterlicher Prägnanz in den
knappen Rahmen gedrängte „Verwundete Amazone
", ein dekoratives Kunstwerk im höchsten
Sinne, in seinem Aufbau klar und geschlossen
wie eine Kristallform; hier erhält der Beschauer
den zwingenden Eindruck, daß die
Sache gar nicht anders angepackt werden
dürfte. Zu den ersten Nummern dieser Abteilung
und gleichzeitig zu den besten Bildern
der ganzen Ausstellung gehört Christian
Landenberger's „Abend am See" mit den
badenden Jungen, deren rosige Körper vom
weichen Duft einer Luft umflossen sind, wie
sie heute — die Berliner immer ausgenommen
! — kein zweiter besser malt. Auch der
„Frühling" mit der keusch poetischen Mäd-

CHRISTIAN SPEYER REITER MIT HUND

IX. Internationale Kunstausstellung in München

chengestalt und
den lustigen Putten
steht würdig
daneben. Von
Hugo v. Habermann
ist neben
einer süperben

Atelierszene
und einer monumentalen
Landschaft
„Mein
Vaterhaus" ein
Damenbildnis in
Grau zu sehen,
das an künstlerischer
Vornehmheit
und malerischer
Verve
auch die früheren
Porträts der
gleichen Dame,
die Habermann
gemalt hat, noch
unter sich läßt.
Fritz v. Uhde
hat nur seine
Visitenkarte abgegeben
, wohl
deshalb, weil das
große Altarbild,
an dem er arbeitet
, seineganze
Kraft in Anspruch
nimmt,
aber das kleine, traulich - innige Bildchen
„Abendmusik" mit den drei jungen Damen bei
Lampenlicht zeigt erschöpfend, auf welcher
Höhe der Maler steht. Auch Heinrich Zügel
könnte in wandgroßen Werken kein eindringlicheres
Dokument seiner Meisterschaft als
Maler schaffen, als er es in seinen zwei
relativ kleinen Lüneburger Heidebildern und
den „Suhlenden Schweinen" getan hat. Das
Wie? wird an solcher Kunst zur vollkommenen
Nebensache und aus dem Vorwurf „Suhlende
Schweine" macht dieses Malers Pinsel ein
jubelndes Lied von der Schönheit des Lichtes.
Unter Leo Samberger's charaktervollen Bildnissen
ragt wohl das vom Staat angekaufte
Konterfei Professor v. Rebers als Perle hervor
. Heinrich Knirr bringt das Bildnis einer
Dame im Salon, das echte Eleganz und erlesene
Farbenqualitäten hat in seiner silberigen Stimmung
, Hierl-Deronco sucht starke Farbenwirkungen
in einer „Diana" und einer orientalischen
Tänzerin, Max Liebermann sandte
eine schöne Version seiner Seilerbahn, Robert
Haug aus Stuttgart einen hervorragend ge-

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