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griff auf Thode, weil er sein
Buch »Der Fall Böcklin« nicht
durch Widerlegung der darin
enthaltenen wissenschaftlichen
Argumente bekämpft, sondern
ihn, den Autor, moralisch verdächtigt
habe durch Unterschiebung
unsachlicher, kunstfeindlicher
und unpatriotischer
Beweggründe. In letzter Instanz
handle es sich um zwei
Weltanschauungen, die miteinander
im Kampf ständen. Zur
Entscheidung dieses Kampfes
habe der Fall Böcklin beitragen
können. Thode und Thoma aber
hätten die Klärung zu hindern
versucht.
NEUE BÜCHER
OskarMiller,»DasGrund-
prinzipderKunst« und »Von
Stoff zu Form«. Verlag von
Huber & Co. in Frauenfeld.
Preis M. 1.60.
In zwei Broschüren hat hier
ein in der Schweiz wohlbekannter
Kunstsammler sein ästhetisches
Glaubensbekenntnis niedergelegt
. Oskar Miller ist ein
verdienter Propagandist für zwei
Schweizer Künstler, deren Namen
den künstlerischen Fortschritt
der Schweiz bedeuten:
Ferdinand Hodler und Kuno
Amiet. Wie man aus seinen schriftstellerischen
Auslassungen, einer scharfsinnig und logisch gefügten
Gedankenentwicklung ersehen kann, repräsentiert
er den raren Typus des schauenden und
verstehenden Kunstfreundes, der sich mit freilich
etwas einseitiger Zuhilfenahme der Dogmen bekannter
Aestheten aus Kunstschriftsteller- und
Künstlerkreisen eine besondere ästhetische Wahrheit
zurechtlegt und dabei die Erscheinungen, die
LUMA VON FLESCH-BRUNNINGEN SCHLANGENZAUBER
IX. Internationale Kunstausstellung in München
seinen Zwecken dienstbar sind, in geschickter Weise
um sich gruppiert. Den Vorzug aus den Essays,
die in dem Bändchen »Von Stoff zu Form« vereinigt
sind, möchte ich der Abhandlung über die
Werke von Kuno Amiet einräumen, in der der Verfasser
entschiedenes lehrhaftes Talent entwickelt
und seine Ueberzeugung von den malerischen Werten
glaubhaft darzustellen weiß. Der Abhandlung
»Das Grundprinzip der Kunst« liegen korrekte Analysen
künstlerischer Phänomene
zugrunde. Die Schrift gipfelt
in der Aufstellung eines rein
formalistischen Prinzips, dessen
Richtigkeit mit Einschränkungen
von jedem billig Denkenden
zugegeben werden muß. In der
Systematik, den Kausalzusammenhang
herzustellen, in einzelnen
psychologischen Definitionen
ist Miller nicht immer
einwandfrei und wie viele, denen
die geschmähte Wissenschaftlichkeit
abgeht, stellt er, ohne
der angriffsschwachen Stellen
zu gedenken, Behauptungen auf,
zieht er Parallelen, die nicht
auf ihre Richtigkeit nachgeprüft
werden wollen. Aber das alles
fällt bei der Urteilssprechung
nicht in Betracht: Erfreuliche
Hauptsache bleibt, daß hiervon
einem vorgeschrittenen ästhetischen
Standpunkt aus entwickelt
und dargelegt wird und
daß diese Darlegung von einem
kunstschriftstellernden Mann
kommt, von dem man sagen
HEINRICH ZÜGEL INDERABENDSONNE
IX. Internationale Kunstausstellung in München
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