Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 12. Band.1905
Seite: 9
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^4^> JOHANN VINCENZ CISSARZ

ihres Stiles sind anerkannt. Die
trinkende Gestalt auf dem Blatt
für die Steglitzer „Neue Gemeinschaft
" ist eine der reifsten und
persönlichsten dieser Arbeiten. Das
wenige Biographische, was etwa
noch hier beizufügen wäre, ist mit
den Bemerkungen erschöpft, daß
Cissarz bis 1903 in Dresden lebte,
seit 1899 verheiratet, einen großen
Teil des Jahres aber stets an der
See, auf Sylt und Rügen, zubrachte.
Seit vergangenem Jahr gehört er
der nach 1901 dezimierten und
kaum wieder auf den alten Personalbestand
gebrachten Darmstädter
Künstlerkolonie an.

Alles übrige ergibt sich aus der
Gesamtausstellung, die der Künstler
, der lange die Oeffentlichkeit fast peinlich
mied, jetzt von seinen Arbeiten im Ernst Ludwigshaus
und in der neuen OLBRiCHschen
Häusergruppe auf der Mathildenhöhe veranstaltet
hat. Der Haupteindruck ist vor allem
einmal der eines außerordentlichen Fleißes und
einer ungewöhnlichen Vielseitigkeit. 14 Plakate
, 46 Nummern buchgewerbliche Arbeiten,
dazu 133 Gemälde, Zeichnungen und Studien,
zahlreiche Entwürfe für Webereien und Leinendrucke
, Schmucksachen, schließlich drei vollständige
Zimmer mit allem Drum und Dran

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KÜNSTLER KOLONIE

KPI VOM 15.-1ULI BIS ^■SSS ~-
10. OKTOBER

PLAKAT DER AUSSTELLUNG DER DARMSTADTER
KUNSTLERKOLONIE 1904 « « GEDRUCKT VON
FRIEDRICH SCHOEMBS, OFFENBACH a. M. « «

PLAKAT DER KUNST-ANSTALT THEODOR BEYER, DRESDEN

einer wohnlichen Ausstattung — das stellt
für einen Einunddreißigjährigen gewiß eine
erstaunliche Leistung dar. Und schon die
Quantität sagt uns, daß diese Künstlernatur
nicht eine ist, die sich leicht von der Welle
des Erfolges treiben läßt und den inneren
Kämpfen aus dem Wege geht. Gewiß sind
Einflüsse von hier und da zu spüren; wie
sollte auch in der verflossenen Periode des
Sturmes und Dranges ein reizsames Empfinden
sich ganz in sich verschließen ? Aber immer
wieder dringt die eigene Note durch, und
diese Note wird von dem herben Lufthauch,
der von der Brandung kommt, und über die
kraftvollen Heiligtümer der deutschen Waldeinsamkeit
stürmt, gewürzt und getragen.
Wer daran festhält, in Cissarz immer nur
den Lyriker sehen zu wollen, wird in dem
Dachzimmer des Eckhauses manche Enttäuschung
erleben. Das Nachschwingenlassen
der Stimmung durch begleitenden Linienfluß,
Anordnung des Seitenbildes und selbständige,
bildliche Impression ist wohl da, am zartesten
in Helene Voigt-Diederichs' „Unterstrom";
aber auch wo es gilt, einen Gedanken zu
weitwirkender, Großes aussprechender Ver-
sinnlichung zu bringen, versagt ihm der Stift
nicht. Eugen Diederichs in Leipzig und
G. D. W. Callwey, der Kunstwart-Verlag in
München, können sich rühmen, dem jungen
Dichter zuerst die Pforten der Oeffentlichkeit
erschlossen zu haben. Besondere Gelegenheit
gab dann die deutsche Buchgewerbeausstellung
in Paris 1900: in ihrem Katalog
schuf Cissarz eine reife, in sich fertige Arbeit.
Hier trat das Motivische im Ornament zurück
; Linien, und besonders Blätter in zartem,
ein gewisses Maß von spröder Symmetrie
wahrendem Fluß gaben die Ornamentik her.

Dekorative Kunst. VIII. i. Oktober 1904.

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