Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 12. Band.1905
Seite: 122
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paul neuenborn « wandfries (original-lithographie)

DAS ENGLISCHE HAUS

Das Problem des Hausbaues der Gegenwart
ist das Haus für den Mittelstand.
Dieser ist im Laufe des 19. Jahrhunderts zu
einer ungeahnten Bedeutung durchgedrungen;
er lagert jetzt an der Oberfläche der wirtschaftlichen
Schichtung. Er verlangt mit Ungestüm
nach seiner Kunst. Ob heute noch ein oder
zwei Dutzend großer Landsitze oder Fürstenschlösser
mehr oder weniger gebaut werden,
die ja in früheren Jahrhunderten fast allein
das Bild des Hausbaues bestimmten, ist angesichts
dieser wichtigeren Frage belanglos.
Es kommt darauf an, das kleine Haus befriedigend
zu lösen." Um diese Frage gruppiert
sich der ganze umfangreiche Stoff eines
Werkes, von dem seit kurzem der erste Band
vorliegt, und das berufen erscheint, nicht
bloß den mächtigen Entwicklungsgang der
englischen bürgerlichen Baukunst in allen
Teilen gründlich zu beleuchten, sondern auch
in Deutschland befruchtend zu wirken und
damit manches aus dem Wege zu schaffen,
was die deutsche Hausbaukunst noch nicht
allgemein zu wünschenswerten Resultaten
zu führen imstande war.*) Van de Velde
erzählt in seinem Buche „Die Renaissance
im Kunstgewerbe" von dem mächtigen Eindruck
, den englische Arbeiten der Wohnungskunst
machten, als sie zum ersten Male auf
dem Kontinent, und zwar in Lüttich 1891
gesehen wurden. „Die Grundstoffe", sagt er,

*) Hermann Muthesius. Das englische Haus.
Drei Bände mit je 200 bis 300 Abbildungen. Berlin
1904, Ernst Wasmuth. Preis pro Band 25 M.,
geb. 30 M.

„waren dort bis zu einem solchen Grade erneuert
, daß man mit den von dort mitgebrachten
Gegenständen und Bestandteilen:
Möbeln, Teppichen, Tapeten, Bildern, Büchern
sich eine glückliche helle und harmonische
Wohnung schaffen konnte." In England waren
diese Dinge längst nichts Neues mehr, hatte
doch dort schon seit mehreren Dezennien
eine neuzeitliche Bewegung eingesetzt, die
dem Tiefstand der englischen Kunst mit
aller Energie zu Leibe rückte. Es war mit
diesen Dingen gegangen wie mit den Werken
der Präraphaeliten: Man kannte sie auf dem
Kontinent ganz einfach nicht, schrieb doch
der Kritikus des „Figaro" anläßlich einer
Burne Jones-Ausstellung in Paris(7. Mai 1893):
„Un grand etonnement m'est venu avec un
peu de honte devant cette manifestation
prodigieuse de l'art ä la constatation fanta-
stique quece maitre est inconnu en France." —
Die Einwirkungen dieser neuen Erscheinungen
ließen nicht lange auf sich warten; eine
starke Bewegung hub auch diesseits des
Kanales an, zuletzt in Deutschland, und bald
machte man neues Kunstgewerbe überall,
freilich von oft recht zweifelhaftem Werte.
Der Unterschied England gegenüber war nur
der, daß man dort nicht bloß neuartige Gegenstände
und Bestandteile schuf, sondern daß
diese auch die richtige Hülle, ein auf modernen
Prinzipien fußendes Haus hatten.
Das ist der springende Punkt. Wohl hatte
auch in England die Bewegung auf den Gebieten
des Kunstgewerbes begonnen, schon in
den fünfziger Jahren, indes war Bexley Heath,
das Haus von Morris bereits 1859 als ein

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