Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 12. Band.1905
Seite: 124
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_12_1905/0136
-sr^> DAS ENGLISCHE HAUS <&$^

kamin aus elfenbeinfarbig glasierten tonkacheln mit sitzplätzen, links heizkörperverkleidung
entworfen von hermann billing « ausgeführt von friedrich geisen dörfer, karlsruhe (ges. gesch.)

des Mittelalters, den Einfluß, den Italien hauptsächlich
durch Inigo Jones bekam u. s. \v. bis
zu dem Zeitpunkte, da Morris seine reformierende
Tätigkeit begann, die alsbald auch
auf das Gebiet der Architektur hinübergriff
und in den drei schon einmal genannten
Architekten Philip Webb, Norman Shaw und
Eden Nestfield die Begründer einer neuen
Anschauung erstehen ließ, die trotz einer
vorübergehenden Rückkehr zu den „Stilen"
sich doch siegreich emporgerungen hat durch
die Erkenntnis des Wertes volkstümlicher
Baumotive. Eine junge Generation von Architekten
: Lethaby, E. Newton, C. Horsley,
F. A. Voysey, Walter Cave, Henry Wilson,
Leonard Stokes u. s. w. tritt auf den Plan
und bringt die ganze Angelegenheit in feste
Formen, die wie gesagt einen Abschuppungs-
prozeß durchmacht und das bodenständige
Element in den Vordergrund stellt. Muthesius
schließt diesen ersten Band mit einer Behandlung
der allerletzten Arbeiten der englischen
Wohnhausbaukunst. Als Schlußkapitel gibt
er die Entwicklung des neuzeitlichen Gartens,
dessen Gestaltung mehr und mehr sich architektonischen
Linien anschließt und der früher
beliebten landschaftsgärtnerischen Art entwächst
. Die ganze Arbeit ist eine Erscheinung
von allerhöchster Bedeutung, nicht allein des
in vollendeter Form behandelten Stoffes willen,
sondern vor allem auch der Anregungen
wegen, die sie bietet. Was aus der Architektur
werden kann, wenn die sicheren heimischen
Traditionen durchbrochen, durch Zuhilfenahme
fremder Elemente ein falsches Fahrwasser
geschaffen wird, das lehrt der heutige
Tiefstand der Baukunst in erschreckender
Weise. Wie die Wege beschaffen sind, die
zur Selbständigkeit und zum künstlerischen
Ausdrucke unverfälschter Art führen, zeigt
Muthesius aufs schlagendste am englischen
Hause. Man hat es in Deutschland nicht
nötig, „ultra montes" zu gehen, ebensowenig
auch sich an englische Vorbilder anzulehnen
oder sie zu kopieren. Der eigene Boden ist
strotzend reich an gesunden Anregungen.
Freilich - - beachtet wollen sie sein. Das tun,
heißt mit den bisherigen Anschauungen über
die Erziehung der Bauenden gründlich brechen.

H. E. von Berlepsch-Valendas

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