http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_12_1905/0137
DIE WELTAUSSTELLUNG IN ST. LOUIS 1904 (Fortsetzung)
der österreichische pavillon
Von Max Creutz
n der Wiener Kunst wird das
germanische Element durch
eine Beimischung des romanischen
in eigenartiger Weise
variiert nach der Seite gesteigerter
Lebensfreude und
Leichtblütigkeit, nicht selten
auch nach dem Oberflächlichen und Aeußer-
lichen hin. Was in der modernen italienischen
Kunst sich ins Unleidliche verliert, in der
Salonkunst der Franzosen häufig einen süßlichen
Charakter annimmt, scheint hier nach
allen von Wien her bekannten künstlerischen
Aeußerungen, als gesunderes Element einer
gewissen volkstümlichen Eigenart, mehr und
mehr Anspruch auf Beachtung zu verdienen.
Besonders in der schon besprochenen
Fassade des österreichischen Pavillons klingt
diese spezifisch Wienerische Note an. Im
Innern ist dieser Eindruck durch allerlei Kollektiv
-Ausstellungen der k. k. Regierung, durch
eine Ausstellung der Prager Kunstgewerbeschule
, durch die Räume der polnischen
und böhmischen Künstler und charakteristische
nationale Züge dieser Gruppen nicht in
voller Klarheit zu gewinnen. Nur der Raum
des Künstlerbundes „Hagen" hat einen originellen
und eigenartigen Reiz.
Die konstruktive Ausgestaltung, eine Schöpfung
Josef Urbans, ist hier von beruhigender
Stabilität. Holzsockel und Pilaster aus
schwarzem feinprofilierten Erlenholz orientieren
an den Türen und in den Ecken über die
räumliche Weite der grauen, mit rotbraunen
ovalen Ornamenten verzierten Wandbespannung
. Die dunklen Hölzer werden durch Intarsien
von grauem Ahorn und durch Bronzereliefs
von diskreter Vornehmheit belebt.
josef hoffmann ausstellungsraum der kunstgewerbeschule in wien
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