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GARTENGESTALTUNG
I.
GARTEN UND HAUS
Von Camillo Karl Schneider, Wien
Mit dem Worte „Garten" werden recht verschiedenartige
Dinge bezeichnet. Was
es ursprünglich, etymologisch bedeutet, bleibe
dahingestellt. Meine Aufgabe verlangt nur,
daß ich genau erläutere, in welchem Sinne
ich den Begriff „Garten" verstanden wissen
will. Und damit mich kein Leser mißverstehe
, beginne ich mit der Erklärung, daß
ich heute nur vom Garten im eigentlichen
Sinne, vom Garten als Glied des Hauses
spreche. Der „Park" ist ein ander Ding,
ein ander Ding auch die „öffentliche" Anlage
. Ihnen beiden werde ich mich später
noch zuwenden.
Doch auch vom „Hause" will ich sprechen.
Ich fasse dabei den Begriff Haus als Woh-
regelmäsziger garten eines amerikanischen landhauses
nung einer Familie. Haus und Garten bilden
im Verein die Wohnstätte, das Heim.
Welche Aufgaben stellt uns die Anlage
eines solchen Gartens? Wir werden die Antwort
finden, wenn wir das Verhältnis des
Gartens zum Hause schärfer charakterisieren.
— Das Haus ist der Mittelpunkt, das Gegebene
. Es ist, oder sollte wenigstens sein,
der vornehmste Ausdruck der Lebensführung
seiner Bewohner. Der Garten bildet die
nicht nur wünschenswerte, nein notwendige
Ergänzung. Er schließt die eigentliche Wohnung
ab gegen die störenden Einflüsse der
Umgebung, er erweitert die intime Enge der
Zimmer.
Dies kann er nur in regelmäßiger oder architektonischer
Gestaltung. Durch sie
allein läßt sich auf dem begrenzten
Räume ein organisches Gefüge bilden
, nur so eine Einteilung treffen,
die das Verwachsensein mit dem
Hause ausdrückt, dies nach jeder
Richtung hin ergänzt. Jede andere
Konstruktion, die nicht den Hauscharakter
wiederatmet, erscheint
als bloße Zierform, als aufgeklatschtes
Stuckwerk, nicht als organisch
mit dem Hause verbundenes
Gebilde.
Als Glied der Wohnung bedarf
auch der Garten eines soliden Abschlusses
gegen die Außenwelt.
Mein Heim öffne ich nur denen,
die mir nahe stehen; nicht jeder
Beliebige soll hineinschauen, ebenso
wenig in den Garten, wie in
die Stube. Streben wir jetzt endlich
wieder in der Wohnung danach
, sie unserem Geschmacke,
unseren Bedürfnissen gemäß auszugestalten
, so sollen wir's auch
im Garten tun. Will ich doch
hier so gut wie dort mir und den
Meinen Genuß bereiten, indem ich
gerade das pflege, woran mein Auge
Gefallen findet, und es so ziehe,
daß es in der mir angenehmen
Weise zur Geltung kommt.
Ist das nicht das Allerselbstver-
ständlichste? Ich sollt's meinen.
Und doch läuft das Tun unserer
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