Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 12. Band.1905
Seite: 202
(PDF, 141 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_12_1905/0218
ENE Zeitgenossen, die auf den Namen Heinrich
Vogeler nur immer das Echo Aubrey Beardsley
fanden, werden ein wenig erstaunt sein, wenn
ihnen die neue große Sammlung von Zieraten
für den Buchdruck zu Gesicht kommt, die der
Künstler für die Rudhardsche Gießerei in Offenbach
am Main gezeichnet hat. Es ist klar, Vogeler
hat von des großen Briten feiner Technik gelernt, und er wird es
am wenigsten verneinen, denn er tat es bewußt, so bewußt, als
er bemüht ist, ein Eigener zu sein. ^
Sein neues Werk ist eine Befreiung für ihn und für seinen Stil.
Schon Eugen Diederichs, in dessen jungem Verlage die neue
Buchkunst eine so liebevolle Pflegstätte gefunden hat, erkannte
Vogelers große Begabung für die Ausschmückung des Buches,
und der Künstler selbst fühlte wohl auch die geheimnisvolle Macht
des Buches, die die größten Zeichner in ihren Bann gezogen hat.
Aber es ist etwas anderes, den Faden einer Novelle zu verspinnen,
als frei aus sich heraus einen Zierat zu schaffen, der für die
verschiedensten Bücher, ja für die verschiedensten Drucksachen
überhaupt einen Schmuck bilden soll. Für Vogeler besonders
war es wohl schwer, diese Aufgabe zu lösen, da seine Art weder
die abstrakte Linie, noch das rein pflanzliche Ornament an sich
kennt. Er ist zu sehr Stimmungsmensch, als daß er nur für das
Auge schaffen sollte. Seine kleinste Rosengirlande, so fein auch
die Helligkeitswerte bei ihr verteilt sein mögen, wendet sich doch
immer auch an das Gemüt, denn die Stimmung, in der ihr Schöpfer
sie schuf, will sie wieder auslösen. ^

Vogeler mag eine sensible Natur sein,
und es erscheint ganz natürlich, daß er
eine Vorliebe hat für den Stil jener Zeit,
die in schwärmerischer Begeisterung für
die Antike sich auslebte, einer Zeit, in
der die Menschen überschwenglich sein
durften, ohne belächelt zu werden. Das
Empire, er wurzelt in ihm, er lebt es;
deshalb handhabt er es so spielend, so
natürlich, wie kaum ein anderer. Aus der
Notwendigkeit seiner Natur heraus ist
sein Stil gewachsen; das unterscheidet
seine Zeichnungen von den glatten Stam-
meleien hilfloser Stümper, die von Mode
zu Mode taumeln und mit flinker Hand
und wenig Geist „nacheifernd" das zeichnen
, was andere mit der Kraft ihrer
ganzen Persönlichkeit durchgesetzt haben.

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