Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 12. Band.1905
Seite: 203
(PDF, 141 MB)
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EINE neue Sammlung könnte man in drei Abteilungen
zerlegen: Vignetten, Einfassungen und Initialen, die
Vignetten wiederum in verschiedene Unterabteilungen
, die aber eine in die andere griffe. Denn des
Künstlers reiche Phantasie ließ Vignetten erstehen,
die sich ebenso für reizende Gratulationskarten wie
für Buchtitel, für feine Geschäftskarten, wie für Programme
oder dergleichen eignen. Man denke! Heinrich Vogelers
verträumte Kunst für Reklamekarten! Er hat diese Aufgabe gelöst, ohne
von seiner Art abzuweichen, und das zeigt, daß er ein Eigener ist. ^
Durch das Entgegenkommen der Rudhardschen Gießerei war es
möglich, diese Seiten mit einem kleinen Teil des seinerzeit in
Frankfurt a.M. ausgestellten Zierats zu schmücken. Leider mußte die
farbige Unterstützung hier fortfallen, durch die Vogelers Zeichenkunst
jenen schimmernden Liebreiz, jenen festlichen Glanz erhält.
Der Künstler gehört zu den Zeichnern, die man an ihrer Linie
sofort erkennt. Seine Linie hat eine etwas sentimentale Weichheit
, einen zarten Schmelz. Es ist wohl ein wenig Nervosität
darin, nicht eine krankhafte, sondern eine feine, zitternde, wie sie
schöngeistigen, komplizierten Naturen eigen ist. <s>
Ein Verdienst der Rudhardschen Gießerei ist es, daß sie ihre
Technik der Handschrift des Künstlers willig unterordnete. Es
wäre ihr ja ein Leichtes gewesen, alles recht sauber und glatt
heraus zu bringen. Aber sie wußte wohl, wie malerisch gerade
die kleinen Zufälligkeiten in der Zeichnung wirken, und deshalb
bemühte sie sich, die Eigenart des Künstlers nicht hinwegzu„ver-
schönern". So wirken denn die reproduzierten Vignetten in der
Frische von Originalzeichnungen: lebendig, ursprünglich, und auch die
Einfassungen, besonders die Rosenranken und Rosengebinde geben
nur deshalb eine so intime Stimmung, weil
der scharfe Stichel des Stempelschneiders
der sentimentalen Linie Vogelers den Liebreiz
nicht nehmen durfte, wie er es sonst
wohl gewohnt war. ^
Die breiten schwarzen Flächen liebt Vogeler
nicht, wie er die schwarze Nacht ohne Sterne
nicht liebt. Aber den silbernen Schein dämmernder
Maiennächte hat er oft gezeichnet,
oft radiert, und so wird ihm auch das leichte
Grau der Schriftseite zu Silber, und wie aus
feinen Silberfäden gewebt erscheinen viele
seiner Zeichnungen. ^
Und das ist es, was seine Bedeutung für die
Buchkunst ausmacht, daß er mit einfachen Linien
eine Fläche so sinnen fällig zu zieren weiß.

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