Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 12. Band.1905
Seite: 204
(PDF, 141 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_12_1905/0220
NITIALEN haben schon die Alten mit Vorliebe geschaffen,
ich erinnere nur an Holbeins des Jüngeren Totentanz-
Alphabet, das Hans Lützelburger in Holz schnitt. Auch
Heinrich Vogeler hat sich des öfteren an Initialen
versucht. Für die Rudhardsche Gießerei zeichnete er zwei
Alphabete Antiqua- und Schwabacher-Initialen, die zum
Reifsten gehören, was er bis jetzt geschaffen hat, und
zum Besten, was die Kunst der Neuzeit an Initialen hervorbrachte. Im
Gegensatz zu Holbein wählte er fast vorwiegend landschaftliche Motive,
die er mit den Majuskeln überaus fein zu einer Einheit zu verbinden wußte.
Auch diese Initialen wurden, wie die Holbeinschen, in Originalgröße geschnitten
, jedoch in Metall, so nur war es möglich, den ganzen Stimmungsgehalt
festzuhalten und im Guß wiederzugeben.

Daß Vogelers Kunst auch Schwächen hat, wer wollte es leugnen? Seine
Menschen, die er zeichnet, haben manchmal rechte Schönheitsfehler, ein
anderes Mal aber sind sie so fein, daß man ob dieser Vorzüge gern über
die Schwächen hinwegsieht. *s
Vogelers Entwicklung kann noch lange nicht als abgeschlossen gelten,
und Eingeweihte wissen, daß wir noch viel von ihm zu erwarten haben.
Auch aus der Rudhardschen Gießerei werden noch manche
Arbeiten nach Vogelers Entwürfen in die graphische
Welt hinausgehen zur Bereicherung
des deutschen Buchgewerbes.

carl matthies

üRurchenbucf)

Druck unb Verlag oort %, Stein, Berlin

204


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