Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 12. Band.1905
Seite: 245
(PDF, 141 MB)
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^sg> GARTENGESTALTUNG ~(^=^

der die Lieferung der Pflanzen
übernommen hatte, ein reiches und
gutes Material zur Verfügung haben
mußte. Doch so wie ich die Anlage
sah — und unsere im Herbst
aufgenommenen Photographien
künden das gleiche — bot sie wenig
mehr als den architektonischen
Kern. Aber auch dieser allein war
der Spiegel einer reichen Künstlerseele
.

Fragen wir uns wieder, was
wollte der Schöpfer hier zum Ausdruck
bringen?

Kreis deutete mir seine Idee
etwa folgendermaßen an: Der Garten
ist als Hausgarten gedacht mit
Anschluß an Wald oder Park, so
daß man über die weiße Mauer
sich viel Laub denken muß. Außerdem
müßten in den Ecken ein paar
schlanke Pappeln stehen. Es wurde
versucht, durch die Winkelung der
Wege eine Anzahl reizender Lauben
mit hübschen Durchblicken zu
schaffen. Denn das Haus, zu dem
der Garten gehört, ist ein Mietshaus
mit verschiedenen Parteien,
z. B. ein Künstlerheim. „Leider
war", schreibt der Künstler, „die
Umgebung des Gartens in der Ausstellung
möglichst ungünstig durch
die drückende Höhe des Ausstellungspalastes
, dessen häßliche,
schwärzliche, unruhige Silhouette
nach drei Seiten hin den Garten
sehr wenig genießbar machte."

Ich betrat den Garten zum ersten Male an
einem vollsonnigen Vormittag. Die weißen

WILHELM
PLAN MIT

KREIS GARTENANLAGE (vgl. juliheft 1904 S. 381)

DEN EINGEZEICHNETEN SICHTLINIEN FÜR BEIDE BILDER

Säulen, Treppen, Bänke, all das Mauer- und
Lattenwerk leuchtete und zeichnete tiefe
Schatten. Anfangs wollte mich alles verwirren
, beengen, bedrücken. Ein Uebermaß
von Linien und Formen drang auf mich ein.
Doch bald gewann ich den Punkt, von dem
aus die Fülle in klare Anschaulichkeit sich
löste. Ich erkannte, daß der Künstler voll und
kräftig zu geben liebt. Und je mehr ich mich
ins Bild verlor, desto mehr heiterte sich die
Schwere der Architektur auf. Gar bald fühlte
ich mich heimisch, vergaß der Umgebung. Die
Pergolas umrankten sich in meiner Phantasie
grün mit wildem Wein und massigen Aristo-
lochien. Um die Pfeiler schlangen sich in
leichter Grazie tiefblau und rot blühende Waldreben
. An dem Mauerwerk klomm die Kletterrebe
mit ihrem fein zerschlitzten Laube empor.
Erinnerungsschwer duftender Jasmin und seltsame
Bignonien überspannen das Lattenwerk.
Im Schatten sah ich Efeu sich betten.

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