Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 12. Band.1905
Seite: 568
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IX. INTERNAT. KUNSTAUSSTELLUNG IM MÜNCHENER GLASPALAST

EUGEN LAERMANS

BAUERN

IX. Internationale Kunstausstellung in München

Bildnisse ersten Ranges gesandt. Urpariserisch
ist Caro Delvaille's großes Bildnis einer
Dame in Weiß, nicht ganz ohne demimondainen
Hauch, ist das große Gruppenbild „Gouter"
von J. M. Avy, sind die weiblichen Akte von
J. Robert-Fleury, Axilette und anderen.
Paul Chabas hat das nackte Körperchen
eines halbwüchsigen Mädels im Zwielicht mit
bewundernswerter Bravour gemalt, AmanJean
einen fein auf Violett gestimmten Frauenkopf,
Le Sidaner ein Garteninterieur bei Lampenlicht
, das ein wahrer Leckerbissen für die
Freunde höchstkultivierter Nervenkunst ist.
Kraftvoller ist das köstliche kleine Interieur
von Georges Griveau. Alexis Vollon in
seinem Bild eines armen Jungen, der aus
wundervoll gemaltem Topf seine Suppe löffelt,
J. Bails beide Bilder mit Mädchen von der
Insel Marken repräsentieren die gediegene
ältere Schule der französischen Malerei in
hochwertiger Leistung, Prinet's Dame im
Atelier, Gaston LaTouche's virtuosgemachtes
Nachtfest, L. Simon's Maskerade, die aber
doch ein wenig „billiger" gemalt ist, als wir es
von diesem ernsthaften Meister gewohnt sind,
E. R. Menard's feine Marine, die vorzügliche
grüne Landschaft von Henri Grosjean und
Cottet's Farbenfeuerwerk, die „Kathedrale

von Segovia im Abendschein" seien als Probe
neuerer Kunst hervorgehoben. Die aller-
modernsten Pariser aber, die Impressionisten,
Neoimpressionisten und Novissimoimpressio-
nisten sind gar nicht vertreten. Das bedeutet,
was die Besten angeht, einen Verlust, und
was die anderen angeht, wenigstens eine Lücke.

Auch die Italiener traten in reicher Zahl
an und ihre Säle machen einen farbenfreudigen,
oft freilich ein wenig lauten Eindruck. An
diesen Wänden brennt es manchmal lichterloh
und man merkt schon, daß die Bilder aus einem
Sonnen lande kommen. Von besonderer Farbenglut
sind z. B. die „Fröhliche Mutter" von
Umberto Coromaldi, die Bilder des Venetia-
ners Rizzi, der den Sonnenschein so heiß
malt, daß man meint, es sei bei seinen Bildern
um zehn Grade wärmer als sonst im Saale.
Geschmackvolle und dabei fröhliche Kunst bedeutet
Emma Ciardi's vom bayerischen Staate
angekauftes Rokokostück „Die Sänfte", sehr
tüchtig gemalt ist Angelo Morbelli's Interieur
„Weihnachten der Zurückgebliebenen" und
nicht minder Filadeleo Simi's „Lenz", ein
Werk, das nur perspektivisch mißglückt erscheint
. Von den Bildnissen sind u. a. die
von Giacomo Grosso und das sehr kühn und
temperamentvoll, aber auch recht unruhig ge-

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