Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 12. Band.1905
Seite: 284
(PDF, 141 MB)
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-sx^> EIN MÄRKISCHES LANDHAUS <^^~

ARCH. MEIER & BREDOW, BERLIN

ENTWURF DER EINGANGSSEITE EINER VILLA (vgl. s. 286)

EIN MÄRKISCHES LANDHAUS

Tn künstlerischer Beziehung besitzt Berlin
* keinen sonderlichen Ruf. „Hochherrschaftliche
Wohnungen" und ominöse Aufschriften
„Verleihinstitut für Tafelgerät u. s. w." an
Wagen, die am Abend vor diesen „Palästen"
halten, sind für den Berliner Westen so typisch
geworden, daß man an ein Aufkommen wirklich
künstlerischer Anschauung kaum noch
glauben kann.

Aber im Verlaufe von dreißig Jahren pflegt
in der Entwicklung der Jahrhunderte stets
ein durchgreifender Wechsel einzutreten. Und
so scheint jetzt auch in Berlin seit einigen
Jahren eine Wendung zum Bessern unverkennbar
. Die Mietshäuser werden einfacher
und zweckentsprechender, die Tapeten nehmen
einheitlichen Grundton an, und die Türklinken
schmerzen beim Anfassen nicht mehr. Auch
im Weichbilde und den Vororten gibt es jetzt
hin und wieder Landhäuser, die weniger langweilig
aussehen und mit den landschaftlichen
Elementen ihrer Umgebung eine Art Verbindung
einzugehen suchen. Zwar sind diese
Ansätze verhältnismäßig noch schwach, der
gute Wille ist jedoch vorhanden, und damit
ist schon vieles gewonnen.

Zu den interessantesten Versuchen dieser
Art gehört ein Landhaus mit Gartenanlagen,
das nach Entwürfen der Architekten Meier
& Bredow zu Groß-Lichterfelde erbaut wurde.
Soweit mir bekannt, waren bei dieser Anlage
zum ersten Male Gesichtspunkte maßgebend,
die für die Weiterentwicklung der nächsten

Jahre zu den fruchtbarsten werden können.
Es handelte sich darum, mit denkbar billigen
Mitteln den Anforderungen des Mittelstandes in
gesunder, ehrlicher und zweckentsprechender
Weise gerecht zu werden. Nach all den zerfahrenen
Versuchen Berliner Villenbauten lag
hier eine Anknüpfung an das altmärkische
Haus nahe. Denn hier ist nun einmal ein
Bauwerk geschaffen, welches mit seinen
roten Ziegeln, den weiß oder gelb getünchten
Wänden von dem Dunkelgrün der märkischen
Kiefer unzertrennlich geworden ist. Und es
scheint verfehlt, wie sich dies bei allen
Grunewaldvillen gezeigt hat, blindlings und
willkürlich etwas anderes an seine Stelle zu
setzen. Wie man die märkische Landschaft
und ihre alten Kiefern nicht anders machen
kann, so sind auch gewisse künstlerische, von
den Bewohnern geschaffene Momente von
dem märkischen Wesen unzertrennbar. Und
man wird nicht umhin können, diese Elemente
bewußt zu übernehmen und nach den jeweiligen
Anforderungen der leben den Menschen
umzugestalten. Denn ein Volk schafft einmal
die Tiefe einer Kultur, die mit seinem Wesen
völlig identisch ist. Die Weiterentwicklung
geht dann zunächst in die Breite, und in die
Tiefe erst dann, wenn das Volk selbst wieder
ein völlig anderes geworden ist. Hermann
Muthesius hat uns durch seine treffliche
Publikation in diesem Sinne mit den englischen
Landhäusern, ihrer Entwicklung aus dem
Bauernhause und dem erreichten anheimelnden

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