http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_12_1905/0337
STICKEREIEN <^s^
ELSE WISLICENUS-BRESLAU HANDGESTICKTE KISSEN NACH EIGENEN ENTWÜRFEN
Schmuckstücke von Bernhard Wenig in
Hanau zeigen anmutige Linienführung und
hübsche Verteilung der durch Metall und
Steine bedingten Werte, die in der Reproduktion
freilich nicht so zur Geltung kommen
können wie am Original. Unter den bei
Neresheimer & Co. ausgeführten elektrischen
Klingelbirnen aus B.Wenigs Schule sind
einige durch ihre Anspruchslosigkeit und handliche
Form recht hübsche Stücke; andere
unter ihnen dürften der Annehmlichkeit des
Greifens noch mehr Rechnung tragen.
Originell und reizvoll als Formgebung und
Dekorierung ist das Hertwig - Möhren-
BACHsche Porzellan. Die selbstverständliche,
sozusagen organische Art und Weise wie die
gemalten Ziermotive der Konstruktion folgen,
zeugt für eingehendes und liebevolles Studium
der Natur und gibt den Malereien eine gewisse
Legitimität im Gegensatz zu dem oft ganz
zufälligen willkürlichen Dekorationsmodus
gerade keramischer Erzeugnisse. Der Künstler
hat seine Entwürfe selbst in Hartporzellan
und Unterglasurtönung ausgeführt. Neuerdings
wurde er als künstlerischer Leiter von
der Firma Swaine & Co. in Hütten-Steinach
in Thüringen, die sich schon durch
die Herstellung der Arbeiten von Schmutz-
Baudisz ihren Ruf erworben hat, gewonnen,
und eine Reihe sehr befähigter und geschulter
Malkräfte wurde seiner Leitung unterstellt.
Wie schaffensfreudige und geschmackvolle
Begabungen unter denen zu finden sind, die
sich mit textilen Arbeiten beschäftigen, beweist
ein Blick auf unsere heutigen Abbildungen
von Handwebereien und Hand- und Maschinenstickereien
. Else Wislicenus arbeitet teils
nach eigenen, teils nach Entwürfen ihres
Gatten, der seit zwei Jahren mit glücklichstem
Erfolge als Leiter der Textilklasse an
der Kunstschule in Breslau tätig ist. Den
Arbeiten dieser Künstlerin ist alles Kleinliche
fremd; sie erzielt vielmehr durch starke
Kontraste breiter Flächen gute Wirkungen,
die freilich erst je nach dem Milieu, in dem
solche Kissen aufgenommen werden, voll zur
Geltung kommen. Subtiler sind Versuche wie
das erste Kissen der Abbildung auf dieser Seite
mit dem skizzenartig hingeworfenen Blattmotiv,
CLARA MÖLLER-COBURG « STUHLKISSEN
HAND WEBEREI AUS FARBIGER WOLLE «
295
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_12_1905/0337