Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 12. Band.1905
Seite: 297
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julius seidler

relief vom warenhaus hermann tietz in münchen

ZWEI NEUE MUNCHENER WARENHAUSER

Von Otto Grautoff

Eine der größten - - wenn nicht die größte
architektonische Leistung unserer Zeit ist
unstreitig das Warenhaus Wertheim von Alfred
Messel in Berlin. Dieser Bau ist unseres
Erachtens um vieles bedeutungsvoller als alle
noch so kühnen und technisch noch so bewundernswerten
Eisenkonstruktionsbauten der
Brücken, Bahnhöfe u. s.w., weil hier ein Baumeister
für eine ganz neue Aufgabe auch eine
neue und ästhetisch erfreuliche Lösung gefunden
hat. Messel hat die architektonische
Tradition nicht aus dem Auge gelassen, er
hat sich ferner an die stofflich konstruktiven
Bedingungen dieses Nutzbaues gehalten undhat
endlich als kühner und wagemutiger Künstler
mit eigenem Erfindungsgeist und mit eigenen
Ideen etwas wirklich Neues geschaffen, das
die lapidarische Uebertragung unseres Zeitgeistes
in Architekturformen darstellt. Messel
ist der erste Synthetiker unter den modernen
Architekten. Der Wertheim-Bau wird unseren
Enkeln von dem Geist unserer Tage künden.

Messel hat die Lösung für den Warenhausbau
gefunden; er hat den Warenhausstil
geschaffen so spricht man mit Recht
von diesem Werk, und es wäre nur zu verständlich
, wenn Architekten, die vor ähnliche
Aufgaben gestellt werden, sich an Messels
genialer Schöpfung ein Vorbild nehmen. Es
wäre verständlich, aber es ist nicht wünschenswert
, daß aller Orten in Deutschland mehr
oder minder schlechte Kopien des messel'schen
Baues entstehen.

Berlin ist eine Stadt mit großen monumentalen
Achsen; der Wertheim-Bau ragt an
einer dieser Achsen in wuchtiger Monumentalität
auf und fügt sich glänzend dem Stadtbilde
ein. Denken wir uns aber einmal diesen
modernen Palast in München. Wo sollte er
stehen? Vielleicht würde er sich dem Cha-
raker der Ludwigstraße oder noch eher dem
der Maximilianstraße einfügen; hineinpassen
aber würde er in beide Straßen doch nicht.
Außerdem kommen beide Straßen für den
Bau von Kaufhäusern nicht in Betracht. Die
beiden Bauherren, die in München Warenhäuser
zu errichten gedachten, mußten aus
naheliegenden, äußeren Gründen Bauplätze
im Geschäftszentrum der Stadt in Betracht
ziehen, wo aber die Straßenführungen und
Straßenphysiognomien von denen des Berliner
Geschäftszentrums weit verschieden sind.

Dekorative Kunst. VIII. 8 Mai 1905

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