Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 12. Band.1905
Seite: 320
(PDF, 141 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_12_1905/0362
-g»4^> IN PARTIBUS INFIDELIUM -C^^

genügen, um darzutun, daß er mit zu den
Besten unserer jungen Künstlergeneration gehört
. Die einzelnen Dinge mögen für sich
selber reden; ich möchte hier nur die Grundempfindung
klar machen, aus der solche Werke
geschaffen werden.

Wir modernen Menschen sind eigentümliche
Wesen. Durch unsere Seele geht ein
großer Sprung, sie in dieses seltsame Doppelempfinden
spaltend, und von diesem großen
Sprunge aus dies verwickelte und doch so
regelmäßige Netz der feinen und feinsten
Haarrisse, das die ganze Kompliziertheit
modernen Geistes bezeichnet. Was besser
sei, die glatte Seele oder die gesprungene,
komplizierte? Ich weiß es nicht zu entscheiden
. Die Vase mit der glatten Glasur
kann schön sein, aber die krakelierte kann
es auch sein. Jedenfalls hat unsere Zeit
diese krakelierte Seele, die Seele mit dem
Sprung. Und Gott sei Dank, daß dem so
ist. Denn das gibt Anstoß, gibt Leben, dieser
Konflikt, der uralt und doch immer neu ist,

den wir nur wieder einmal besonders stark,
vielleicht stärker denn je empfinden, dieser
große Konflikt zwischen Kultur und Natur.
Der moderne Mensch ist der Mensch der
Stadt, mit allen Fasern seines Leibes ist er
mit ihr verwachsen; aber im Herzen trägt
er eine stille Sehnsucht nach dem Lande,
nach „Natur", und ist er auf dem Lande,
dann erst fühlt er sich ganz Mensch; aber
im Herzen trägt er eine stille Sehnsucht
nach Asphalt, in dem sich elektrische Lampen
spiegeln, nach wogender Menge, nach chik
gerafften Röcken und aparten Frisuren, nach
Cafes, Theater, Museen, und erst dann,
wenn er all das wieder hat, alles das, was
er „Kultur" nennt, fühlt er sich ganz Mensch;
aber im Herzen trägt er eine stille Sehnsucht
. . . Ach, wenn wir sie doch erst
hätten, die zwingende Form, die uns aus
dem Zwiespalt der Empfindung herausführte
zur starken Einheit künstlerischen Lebens.
Freilich, so einfach ist es nicht, wie es die
Mattherzigkeit utopistischer Schwärmer und

ALBIN MÜLLER ENTWURF EINES PFÖRTNERHAUSES MIT STALLUNG UND GEWACHSHAUS

320


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_12_1905/0362