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GUSZEISERNE GEGENSTÄNDE « «
ENTWORFEN VON ALBIN MÜLLER
AUSGEFÜHRT VON DER FÜRSTLICH
STOLBERG'SCHEN EISENGIESZEREI
IN ILSENBURG A. HARZJges. gesch.)
schlaff und kraftlos, und in Drehung gebracht
so kräftig und doch so geschmeidig
sind, man muß diese Dinge gesehen haben,
um zu begreifen, wie gerade dieser Schleifund
Polier-Prozeß dasjenige Mittel ist, dieses
Material zum Sprechen zu bringen. Und dieses
eine Material zum Sprechen
bringen, einem guten, leistungsfähigen
Material aus völliger
Formverwahrlosung heraus zu
seinem Rechte zu helfen, das ist
eine künstlerische Tat. In Albin
Müllers Eisengußarbeiten sind
künstlerischer Wille und Wesen
des Stoffes zu so fester Formeinheit
zusammengeschmolzen,
daß man glauben möchte, der
Eisenguß habe mit diesem seinem
ersten Satze gleich seine
Höhe gewonnen. Dieses willige
Zusammengehen der Persönlichkeit
mit den Zwecken, den Stoffen,
das ist es, was mir besonderes
Vertrauen zu diesem Künstler
gibt. Gewiß, auch er hat seine
Mätzchen — wer hätte keine
Mätzchen? — aber er wird ihrer
Herr werden, denn er hat den
starken Willen zum Stil.
Alles in allem eine Kraft, mit
der etwas anzufangen wäre. Was
nun hat Magdeburg mit diesem
Künstler und den anderen Modernen
bis jetzt geleistet? Anscheinend
sehr viel; denn seit
St. Louis hat man es oft genug
lesen können, daß Magdeburg in
die Reihe der deutschen Kunstzentren
eingerückt sei. Das aber kam so.
Als man sich allerorten für die Weltausstellung
rüstete, blieb es in Magdeburg still,
ganz still. Unzweifelhaft gab es hier Leute,
die zur äußeren die innere Pflicht hatten,
etwas „in die Wege zu leiten". Aber diese
Leute rührten keine Hand, und
wenn vielleicht doch, so jedenfalls
nicht mit der Entschiedenheit
, die zum Erfolge notwendig
ist. Man hat hier überhaupt das
peinliche Gefühl, als ob die
Kunstorganisatoren sich nicht mit
der Rolle des ehrlichen Maklers
begnügten, als ob sie vom Künstler
Vorspanndienste für den eigenen
Triumphwagen verlangten.
Es spricht für die Personen unserer
Künstler, daß sie sich zu
solchem Vorspanndienste nicht
hergaben. So sahen sie sich gezwungen
, auch die Organisation
in die Hand zu nehmen. Ueber
die versagenden Faktoren hinweg
gingen sie unmittelbar an das
Oberhaupt der Stadt, in dem sie
erfreulicherweise einen eifrigen
Förderer ihrer Bestrebungen fanden
. Die kräftige Initiative der
Künstler, die Einsicht des Oberbürgermeisters
Schneider und
dann die Tüchtigkeit der ausführenden
Handwerker, das sind
die Momente, denen Magdeburg
seinen neuen Ruf verdankt. Dies
zur Feststellung des Tatbestandes
; denn die Postnumerandobegeisterung
, die sich jedem
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