Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 12. Band.1905
Seite: 326
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-=^^> IN PARTIBUS INFIDELIUM

Erfolge beigesellt, ist schuld gewesen, daß
sich das Bild etwas zu Ungunsten der
Künstler verschoben hat. So ist Magdeburg
nolens volens in den Ruf eines neuen Kunstzentrums
gekommen. Aber wenn es auch
sehr nolens war, es wird die ihm zuerteilte
ehrenvolle Rolle kaum wieder aufgeben wollen,
hat also die moralische Verpflichtung, den
Zufallserfolg in einen innerlich berechtigten
umzuwandeln. Ich appelliere hier nicht an
die Privaten; erfreulicherweise gibt es hier
in allen Ständen und Berufen Menschen, die
eine tiefere, lebensvollere Auffassung von
Kunstdingen besitzen, als man gemeinhin
findet. Ich meine: die Stadt als solche sollte
daran gehen, mit Hilfe dieser jungen künstlerischen
Kräfte eine energischere, großzügigere
Kunstpolitik zu führen, als sie es bisher
getan hat. Die Kunstpolitik hier bewegt
sich durchaus in den herkömmlichen Bahnen.
Man hat eine Kunstgewerbeschule, die sehr
viel Geld kostet, man hat ein Museum, für
dessen Neubau allein eine Million aufgewandt
wird, man hat für die allgemeine Kunstpflege
in der Stadt
erhebliche Posten im
Etat stehen. Aber
der Geldaufwand allein
tut es nicht;
die Gesinnung muß
künstlerischer werden
. Neue Ziele
wollen neue Wege.
Aber hier in Magdeburg
glaubt man,
peinlich darauf achten
zu müssen, daß
ja alles genau auf die
Paragraphen längst

überlebter Dienstvorschriften klappt, man entfaltet
mit dem ernstesten Gesicht eine Verwaltungsakrobatik
, die auf feinere Sinne höchst
komisch wirkt, spricht in einem weg von „Erfahrung
" (profane Gemüter haben dafür die
Formel: es wird weitergewurstelt), aber man
läßt ganz und gar jenen intuitiven Blick vermissen
, ohne den nun einmal nirgends etwas
Gescheites zu machen ist. Wir brauchen neue
Kunstschulen, neue Museen, neuen Geist in
den Stadtbauverwaltungen. Man gebe sich
doch nicht der Täuschung hin, eine Kunstschule
sei modern, erfülle ihre Aufgabe, wenn
einige moderne Künstler an ihr als „Beamte"
angestellt sind. Man glaube doch nicht, ein
Museum, das ungeheuerlich viel Geld für
Bilder ausgibt, die vor zehn Jahren billiger
und — bedeutender waren, sei das Museum,
was unsere Zeit, unsere zukunftssüchtige
Zeit braucht. Man glaube doch nicht, in einer
jStadtbauverwaltung
herrsche künstlerischer
Geist, wenn
in einem Museumsneubau
romanische
und gotische Gewölbe
in Rabitz gezogen
werden. Scharfe
Zungen haben das
Wort „Rabitz-Museum
" geprägt. Nun
in Magdeburg wird
in Kunstdingen noch
viel gerabitzt. Aber
es könnte anders
werden, leicht anders
werden. Wie?
Man frage die Künstler
, frage sie in allen

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