Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 12. Band.1905
Seite: 361
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_12_1905/0403
-s-^> EINE DENKSCHRIFT <&2~g-

Denkmalspflege eingesetzten Ausschusses in
vortrefflicher, das Thema gründlich erschöpfender
Weise veröffentlicht.*) Deutschland
hat zwar seinen Heimatschutz-Bund, der sich
kräftig rührt, dessen materielle Stärke indes
bei weitem nicht zustande zu bringen vermag
, was in England der „National Trust"
leisten kann. Die Rettung und Konservierung
alter, dem Abbruch verfallener Bauten von
Bedeutung ist eines der wesentlichen Ziele
dieser Vereinigung, die sich außerdem mächtiger
Gönnerschaft erfreut. In Deutschland
muß erst der Anfang gemacht, das Verständnis
für die Wichtigkeit dieser Dinge in weite
Kreise getragen werden. Unterdessen freilich
rastet die Vernichtungsarbeit auch nicht einen
Augenblick. Jeder Tag reißt neue Lücken in
den wertvollen Bestand, ohne daß wenigstens
zuverlässige Aufzeichnungen Kunde geben von
dem, was mit Notwendigkeit fallen muß. Die
Ansprüche unserer Zeit sind anderer Art als
jene, welchen das ältere Bürgerhaus genügte.
Traurig dabei ist nur, daß diese Bilder mittelalterlichen
Städtelebens und älterer Bauweise,
diese stark redenden Zeugen heimischer Volkskunst
meist verschwinden, bevor es möglich
ist, genau mit ihrem Wesen vertraut zu werden
und aus ihnen zu gewinnen, was unseren
Tagen in so geringem Maße beschieden ist:
die Einsicht, daß Schlichtheit weit mehr
künstlerisches Wesen in sich birgt als all
der Aufwand, mit dem die Baukunst unserer
Zeit zu wirtschaften gewohnt ist. In diesen
oft bescheidenen Erscheinungen steckt ein
Gefühl für Materialechtheit, wie sie unserer
an Surrogaten aller Art überreichen Zeit not
täte. Wozu der unnütze Aufwand an zierenden
Beigaben, wozu die Ueberschwemmungen mit
Motiven, die doch weiter keinen Zweck haben
als das Verbergen der Unfähigkeit, einfach
künstlerischen Ueberlegungen Ausdruck zu
geben? Zu einer einfachen, dem Zwecke der
Sache dienlichen Ausdrucksweise zurückzukehren
, setzt nicht voraus, daß man Altes, in
dieser Hinsicht Unübertroffenes, schlechtweg
kopiere. Aber verstehen lernen sollte man
es, um selbständig weiter zu bilden. Gottfried
Keller sagt in einem seiner Gedichte:

Und dennoch ist das echte,

Das wahre Volk, das rechte,

Das auf der Scholl' erblaßt,

Auf der es ward geboren.

Des Schifflein geht verloren,

Des Anker diesen Grund nicht faßt.

*) „Die Sammlung und Erhaltung alter Bürgerhäuser
" von O. Stiehl, Stadtbauinspektor und Privatdozent
an der Techn. Hochschule, Berlin 1905,
Ernst & Sohn. Preis M. 1.—.

Uebersetze man dies auf das Gebiet, von
dem hier die Sprache ist! Ob die allmählich
vollständig verflachte Ausdrucksweise der allgemein
gewordenen fremden Formensprache den
Stempel des Bankerottes in sich trage, braucht
hier nicht weiter erörtert zu werden. Unsere
Großstädte geben die Antwort in ungezählten
Varianten. Möchte die Denkschrift des geistreichen
Steglitzer Stadtbauinspektors den Anstoß
zu Studien bilden, die für Bauende und
Publikum in den weitaus meisten Fällen weit
zweckdienlicher sind als die Kenntnis von
Erscheinungen, die, wertvoll am Orte ihrer
Entstehung, verwirrend wirken, wo sie verständnislos
auf fremden Boden verpflanzt
werden. Berlepsch-Valendas

LESEFRÜCHTE:

Die Welt ist so eingerichtet, daß jedem Menschen
sein kleines Talent Genuß bereiten soll; wie ihn auch
sein kleines Heim und sein Gärtchen beglücken soll,
ohne daß er die Pracht des größeren Besitzes, die
er bewundert, begehre. Ja mehr als dies: es liegt
in der Natur der Dinge, daß das Kleine uns mehr
Genuß bereite als das Große, die schlichte Kunst
mehr als die verfeinerte. Wäre es anders, so möchte
man sich über die engen Schranken beklagen, welche
der Vervollkommnung der menschlichen Künste gesetzt
sind. John Ruskin

fritz schumacher und richard könig « wahlurne
aus bronzegusz mit eingesetzten steinen
ausgeführt von pirner & franz, dresden

Dekorative Kunst. VIII. 9. Juni 1905

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