http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_12_1905/0413
-5-^> SCHÜLERARBEITEN DER KLASSE ALFRED MOHRBUTTER <^=^
Erzeugnis einer von der Drehkrankheit befallenen
Logik, Mohrbutters gesundes Erziehungsprinzip
kennen zu lernen. Man merkt
den unter seinem Einfluß entstandenen Arbeiten
sofort an, daß
sie mit Gipsmodell,
Tuschmanier oder botanischer
Studie nichts
zu tun haben, sondern
daß in derganzen Klasse
das Bemühen herrscht,
die lebendige Empfindung
, die nur aus der
Anschauung ihre Anregungen
und Direktiven
empfängt, auszubilden.
Die bescheidensten Ornamente
scheinen aus
persönlichen Erlebnissen
hervorgegangen zu
sein, und das ist schließlich
das höchste, was
ein Lehrer erreichen
kann. Welchen Grad
künstlerischer Reife
Schülerarbeiten zeigen,
richtet sich allein nach
den vorhandenen Begabungen
; wenn jeder
einzelne aber fähig gemacht
wird, selbständig E. reussner
zu arbeiten und alles aus sich herauszuholen,
was in ihm ist, so hat der Lehrer seine Aufgabe
erfüllt, besser, als wenn er eine Paradeausstellung
zusammenbringt, deren Glanz auf
Täuschung und falscher
Dressur beruht. Denn
junge Leute, die es gelernt
haben, ihren lebendigen
Empfindungen
mehr zu vertrauen
als einem „Stil", die
ihrekünstlerischen Entschließungen
aus Erlebnissen
, nicht von Rezepten
ableiten, braucht
die Zeit nötiger als alles
andere. Je mehr Selbstständigkeiterzogen
wird,
desto hoffnungsvoller
dürfen wirsein, weilnur
so die natürliche Entwicklung
des Begonnenen
garantiert wird. Und
diesen Eindruck lebendigen
Strebens gewinnt
man vor den Arbeiten
aus der Klasse Mohrbutters
selbst da noch,
wo man mit den Resultaten
nicht ganz einver-
tapetenmuster standen sein kann.
371
47*
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_12_1905/0413