http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_12_1905/0415
DER KUNSTGEWERBESCHULE IN CHARLOTTENBURG <^c~
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WALTER STOLLE «VORSATZPAPIER
MÜNCHENER SCHMERZEN
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Vor nicht allzulanger Zeit es mögen
ein paar Monate her sein wurde in
den Kreisen, die beschließend in öffentlichen
Angelegenheiten tätig sind, mancherlei Erörterung
gepflogen darüber, wie den nicht
sehrerfreulichen Verhältnissen der bayerischen
Residenz hinsichtlich ersprießlicher materieller
Entwicklung eine Wendung zum Besseren zu
geben sei. „München muß Industriestadt
werden", lautete das Resultat. Die „Kunststadt
" allein hat also jene Ergebnisse nicht
zu verzeichnen, die ein Gemeinwesen nicht
bloß in der Schwebe erhalten, sondern es in
erfolgreichen Bahnen zu immer gedeihlicherer
Entwicklung bringen. Es liegt in der Losung
„Die Industrie muß helfen" ein stummes Bekenntnis
schwerwiegender Art. Was der vor
wenigen Dezennien noch weit geringer bevölkerten
Stadt einen hauptsächlichen Stützpunkt
in allen Existenzfragen bot, reicht für
das schnell wachsende Gemeinwesen, dessen
Bevölkerungsziffer die halbe Million längst
überschritten hat, allein nicht mehr aus. Das
könnte auch anderswo eintreten. Wie denkt
man sich nun aber den Prozeß, der aus einer
Stadt voll Lebenslust, voll künstlerischer Anregungen
, einer Stadt, in der man ungezählte
Feiertage und noch weitaus mehr Feiergelegenheiten
immer mit Freuden hinnimmt, in
absehbarer Zeit eine Stätte angestrengtester
Tätigkeit machen soll? Wo Schlote rauchen
und ungeheuerliche Krahne schwere Lasten
unbearbeiteten Rohstoffes von den Eisenbahnwagen
in die weitausgedehnten Werkstätten
befördern oder umgekehrt das fertige Produkt
aus weiten Hallen zum Versand in alle Welt
gleich in jene Vehikel verladen wird, die auf
unendlichen Schienensträngen bis in entlegene
Erdenwinkel rollen da ist für den Festgeist
wenig Platz, da können die Feiertage
nicht den Feuerbrand der Heizanlagen beliebig
viele Male zum Stillstand bringen. Es wäre
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VORSATZPAPIERE
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