Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 12. Band.1905
Seite: 376
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-sr4s£> MÜNCHENER SCHMERZEN <^=^

charles doudelet • ledereinband zu »beatrys«
(verlag j. e. buschmann, antwerpen ««««««

in Betracht, wenn nun die Industriestadt an
der Isar entstehen soll.

Der weitere Punkt, die Arbeitskräfte betreffend
, ergibt die Tatsache, daß zwar für
die jetzt bestehenden Betriebe gewisser Branchen
, z. B. Schreinerei, eine der Jetztzeit entsprechende
, jedoch nicht übergroße Anzahl
von Arbeitskräften guter Qualität zu Gebot
steht. In anderen Branchen ist fortwährender
Zuzug von außen notwendig, mangels
genügend ausgebildeter Kräfte am Platz.
Dieser Zuzug verteuert die Löhne, mithin
auch die Produkte, weil man, um die Leute
zu bekommen, ihnen mehr bieten muß, als
sie in Wien, Berlin, Stuttgart, Leipzig bekamen
. Hochwichtige Branchen wie z. B.
Etuimacherei sind in München überhaupt
nicht zu Hause. Die Münchener Goldschmiede
müssen alle besseren Etuiarbeiten von Hanau
beziehen. Eine wirkliche Großindustrie,
welche mit den in München üblichen Lohnverhältnissen
auszukommen vermöchte, ist
bei den jetzigen Absatzverhältnissen durchaus
undenkbar. Die Heranziehung junger
Kräfte zu tüchtiger Arbeitsleistung wird nie
und nimmer auf der Schule erreicht. Die
Werkstätte ist deren Wiege. Wo sind in
München diese Werkstätten der Heranbildung
für industriellen Großbetrieb? - Die weitere
Frage, motorische Kraft betreffend, ist leicht
zu beantworten: Die Frachtsätze für Kohle

machen letztere eher zu einem Luxus-Artikel
als zu einem Massenverbrauchs-Produkt, und
es wäre somit weit mehr mit einer Ausnützung
der von den Alpen nordwärts abfließenden
Gewässer zu rechnen. Ein wesentliches
Hindernis endlich ist, wie schon bemerkt,
in den baupolizeilichen Vorschriften zu suchen,
die in vielen Beziehungen den theoretischen
Ueberzeugungen ihrer Verfasser mehr Ehre
machen, als sie sich in der Praxis bewährten.
Die Schwerfälligkeit des in Betracht kommenden
Apparates ist schon unzählige Male Gegenstand
von Erörterungen gewesen, jedoch ist
es bis zur Stunde nicht gelungen, zweckdienlicheren
Anschauungen zum Durchbruche zu
verhelfen. War die „Kunststadt" daran schuld,
oder etwas anderes? Die Ueberlegung gewiß
nicht, München könnte vielleicht einmal
weiter ausgedehnte industrielle Anlagen als
die zurzeit existierenden als Voraussetzung
für eine gedeihliche Zukunfts-Existenz verlangen
. Müssen nun unbedingt die Chancen
der letzteren durch eine radikale Umkrem-
pelung der „Kunststadt" gewonnen werden?
Ist es nicht möglich, die bisherigen Gepflogenheiten
zu erweitern, aber in weitläufiger Weise
und von großen Gesichtspunkten ausgehend
zu erweitern, Möglichkeiten zu schaffen, die
auf einem gut vorbereiteten Boden sich aufbauen
? Allem Ermessen nach ist hier die
Schaffung einer zukunftsvollen Entwicklung
weit eher zu erreichen als durch den Beschluß
wohlwollender Stadtväter: „München
wird Industriestadt."

Der Weg, der einzuschlagen sein würde,
ist in wenigen Worten ausgedrückt „Die angewandte
Kunst". Was sie will, wie ihre
Aufgaben beschaffen sind, wird eine im Juni
zu eröffnende Ausstellung im Studiengebäude
des K. Nationalmuseums zeigen, die von der
„Münchener Vereinigung für angewandte
Kunst" unter unsagbaren Schwierigkeiten ins
Leben gerufen worden ist. Die daraus sich
ableitenden Vorschläge verhallen vielleicht
ungehört, wie so manches andere verhallt
ist. Sie mögen in einem nächsten Artikel
ihre Behandlung finden.

Berlepsch-Valendas

erich
klein-
h empel

bemalte
torten-
schachtel

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