Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 12. Band.1905
Seite: 379
(PDF, 141 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_12_1905/0421
DIE NEUGESTALTUNG DER NÜRNBERGER KUNSTGEWERBESCHULE

überlegt und handelt. Wie schnell griff vor
vielen Jahren Berlin zu, stellte Eckmann an
und machte beneidenswerte Erfahrungen mit
ihm! Oder man sehe sich Darmstadt an, oder
die neue Tätigkeit in Magdeburg! Und fürchtet
man von Dresdens Rührigkeit gar nichts? In
Bayern aber, dessen künstlerischen Rückgang
man in Berlin schon feiert, geben sich die verantwortlichen
Stellen ruhigen Ueberlegungen
hin und verlangen Vertrauen auf die dereinstigen
Ergebnisse ihres anhaltenden Nachdenkens
. — Und auf was für Schwierigkeiten

stößt dieses Nachdenken! Regelung der Vorbildung
! Für Handwerker! Vielleicht führt
man das Einjährigen-Zeugnis ein, natürlich
vom humanistischen Gymnasio? Aber meine
Darlegungen rannten gegen offene Türen!

5. Herr Direktor Brochier wirft mir persönliche
Ausfälle gegen den Lehrkörper vor.
Ja, ist denn die Schule eine persönliche Angelegenheit
der Lehrer? Persönlich dagegen
ist die Einleitung der Erwiderung des
Herrn Direktors und außerdem sinnlos; ich
bin nicht Kunstgewerbler. a. l.

Einen weiteren Beitrag zu dem Thema

UNTERRICHT AN KUNSTGEWERBESCHULEN

finden wir in dem „General - Anzeiger für
Düsseldorf und Umgegend" und geben diesen
Worten eines Fachmannes hier Raum, um
auch die in den Kreisen der Handwerker
herrschende Ansicht zur Geltung zu bringen:

„Was soll aus den Zöglingen der
Schule werden?" Sollen es Handwerker,
Kunsthandwerker oder Künstler, oder soll sogar
alles zusammen aus jedem der Schüler
werden? Handwerker werden aber auf der
Schule sicherlich nicht erzogen, denn dazu
taugt die ganze Erziehung nicht! Der Handwerker
ist nur auf dem Boden der Werkstatt
zu erziehen. Die Handfertigkeiten
müssen zum großen Teil von anderen abgesehen
und ununterbrochen geübt werden.
Dann muß der Handwerker im Leben und
Treiben der Werkstatt und nicht auf der Schulbank
heranwachsen, damit er von der ersten
Stunde an sieht, welche Anforderungen gestellt
und wie vielseitige und gründliche Kenntnisse
in jedem Fache verlangt werden. Auf
den Schulen aber wird in so ungeheuer
vielem unterrichtet und so verschiedenes betrieben
, daß kein Handwerker sich zu wundern
braucht, wenn die jungen Leute auf unseren
Werkstätten nicht zurecht kommen, weil die
Schulzöglinge von allem etwas, aber nichts
so gründlich verstehen, daß es genügt, um
mit dem auf der Werkstätte erzogenen jungen
Manne in Wettbewerb treten zu können. Dies
erfahren wir Praktiker täglich, deshalb
nehmen auch viele Geschäfte keine
Schulzöglinge auf.

Kunsthandwerker werden es auch nicht,
denn von diesen werden bedeutend größere
Handfertigkeiten und dazu ein umfangreiches
theoretisches Wissen verlangt. Die
Beherrschung der verschiedensten Techniken
ist für den guten Kunsthandwerker unerläßlich
nötig. Diese sind aber nur dort zu Hause,
wo die Sache Tradition ist, wo der Meister
die gesammelten Erfahrungen seinem Nachfolger
überliefert, wo ein Gehilfe es vom
anderen erlernt und alles das, was der Meister
und die Gehilfen bald hier, bald dort her aus
der Welt mitbringen, festgelegt und festgehalten
wird. Alles dies fehlt der Schule, und
es ist ihr infolgedessen auch nicht möglich,
brauchbare Kunsthandwerker auszubilden.

Der Hauptfaktor auf der Schule ist der
Theoretiker, der in der Regel von der Praxis
wenig oder gar keine Ahnung hat. Dieser
herrscht dort. Genau so, wie es dem auf
der Schule erzogenen Handwerker geht, genau
so geht es dem Kunsthandwerker im späteren
Leben, wenn es heißt, dein Studium hier auf
der Schule ist aus! Mit einem sehr guten
Zeugnis wird der junge Mann entlassen. Dieses
mag ja auch zu Recht ausgestellt sein, wenn
man die Leistungen der Schüler vom Standpunkte
und mit den Augen eines Pädagogen
ansieht. Diese wissen aber nicht, was im
Leben vom Handwerker und Kunsthandwerker
verlangt wird.

Nun bliebe noch der Künstler übrig. Ob
es aber möglich ist, bei dem Lehrgang, so
wie er hier und anderwärts an den Kunstgewerbeschulen
üblich ist, Künstler zu erziehen
, weiß ich nicht, darüber mögen andere
urteilen. Ich möchte es bezweifeln. Die
Leiter der deutschen Kunstgewerbeschulen
geben selbst zu, daß die Schulen bis heute
nicht den erhofften Erfolg hatten, und man
betont deshalb die Notwendigkeit der Errichtung
von SchulWerkstätten.

Um den Schulapparat noch kostspieliger
und komplizierter zu gestalten, werden jetzt
Handwerksmeister zum Unterricht in diesen
Schulwerkstätten herangezogen. Zu welchem

379

48'


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_12_1905/0421