http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_12_1905/0422
^=4sg> UNTERRICHT AN KUNSTGEWERBESCHULEN <^?~
Zwecke? Warum schickt man die jungen
Leute nicht zu diesen ausgesuchtenTechnikern
als Lehrlinge auf die Werkstatt, wo zweifellos
ernsteres Schaffen üblich ist, wie an der
Schule, wo Schülern nur stundenweise von
Zeit zu Zeit kleinere Handfertigkeiten gezeigt
und erläutert werden? Ist der Meister befähigt
, die jungen Leute in der Schule auszubilden
, so ist er es auf seiner Werkstatt
sicher. In der Schule ist der Meister ein
dienendes Glied, nicht Lehrer, sondern nur
Werkmeister, so viel, wie bei uns ein guter
Gehilfe, er wird stets von dem Lehrer beeinflußt
und hat sich genau nach den Ansichten,
die an derSchule herrschen, zu richten. Schon
deshalb ist von dieser Ausbildung nichts zu
erhoffen.
Heute sind wir so weit gekommen, daß
der technisch mit guten Handfertigkeiten ausgerüstete
Gehilfe kaum noch zu finden ist,
weil die Schulen die jungen Leute, die wir
sonst erzogen, aufsaugen. Dann werden wir
durch die Schulen mit ihren Werkstätten dahin
kommen, daß der kleinere und mittlere Handwerksmeisteraussterben
oder aber sehr zurückgehen
muß.
Die Schulen mit den Schulwerkstätten
sind ein zweifelhaftes, sehr kostspieliges Experiment
. Der junge Mann ist nach Absolvierung
der Schule kein Handwerker, der sein
Brot verdienen kann, aber auch kein Künstler.
Der Kopf ist verwirrt, alles läuft im Unklaren
durcheinander, und andererseits besteht die
Gefahr, daß in diesen Schulwerkstätten den
Handwerksmeistern gefährliche Konkurrenten
entstehen.
Wie schon bemerkt, fehlt es uns an jungen
Leuten, die eine vierjährige Lehrzeit, ohne
Vergütung zu fordern, aushalten können, weil
die Schulen alle Kräfte wegnehmen. Der
junge Mann wird nur dann die erforderlichen
Fertigkeiten als Handwerker und Kunsthandwerker
sich anzueignen in der Lage sein
und nur dann im späteren Leben weiter
kommen, wenn er dort, wo das Handwerk
zu Hause ist, auf der Werkstätte der Praxis
aufwächst und seine Zeit in den ersten Jahren
so weit wie eben möglich nur zur Aneignung
der erforderlichen Handfertigkeiten
verwendet. Sind diese weit genug
gediehen, dann mag die Schule ihn aufnehmen
, unddann m ögen Kün stier dem
jungen Manne noch andere Wege zeigen
, d i e s e w e rde n ab e r n u r s e h r, s e h r
wenige befähigt sein zu beschreiten.
Gebt dem Handwerk die Lehrlinge
zurück, die uns jetzt fehlen. Lehrlinge,
wie wir solche früher hatten, die eine entsprechende
Lehrzeit ohne Entlohnung
aushalten konnten, dann ist es uns auch
wieder möglich, die jungen Leute entsprechend
auszubilden. Heute aber soll jeder
junge Mann, wenn nicht studieren, so doch
wenigstens Künstler werden. Deshalb vertrödelt
er seine Zeit auf irgend einer Kunstgewerbeschule
, und der für uns verbleibende
Rest von jungen Leuten, der zu uns in die
Lehre kommt, will gleich verdienen. Gerade
aus dem Grunde nehmen die besseren Geschäfte
keine Lehrlinge mehr auf, weil sie
wissen, daß unter diesen Umständen die Ausbildung
nicht so sein kann, wie sie sein soll!
NEUE BUCHER
Das moderne Landhaus und seine innere
Ausstattung. 320 Abbildungen moderner Landhäuser
aus Deutschland, Oesterreich, England und
Finnland mit Grundrissen und Innenräumen. Mit
einleitendem Text von Hermann Muthesius.
Zweite verbesserte und vermehrte Auflage. München
1905. Verlagsanstalt F. Bruckmann A.-G. Preis M.7.50.
Ein Werk, von dem in so kurzer Zeit eine neue
Auflage notwendig wird, muß den Wünschen vieler
entgegengekommen sein. Architekten, Kunstgewerb-
ler und nicht zum wenigsten die, deren Wunsch, im
eigenen Hause außerhalb der Stadt zu wohnen, schon
erfüllt oder noch nicht erfüllt ist, müssen tatsächlich
schon an der ersten Auflage dieses Bilderbuches vom
>Modernen Landhaus« ihre lebhafte Freude gehabt
haben. Wenn's nun auch den Besitzern der ersten
Auflage etwas leid sein mag, so ist's doch freudig
zu begrüßen, daß der Verlag sich nicht nur mit einem
Neudruck begnügt, sondern das Werk nach zwei Seiten
hin reich vermehrt und noch um vieles begehrenswerter
gemacht hat. Die Abbildungen und die Grundrisse
von zeitgemäßen deutschen, österreichischen,
englischen, schottischen, amerikanischen und finnischen
Landhäusern sind um eine sehr große Zahl
vermehrt worden. Aber die Auswahl ist dadurch
keineswegs etwa eine weniger strenge geworden, sie
gibt uns auch diesmal nur Bestes. Da die Abbildungen
auf der Höhe moderner Reproduktionstechnik
stehen, können sie eine Beschreibung entbehren, und
alle, die vom Schauen zu lernen vermögen, werden
immer wieder gern den hier gebotenen Anregungen
kultureller und künstlerischer Art nachgehen.
Eine Zugabe enthält die neue Auflage, die aufs nachhaltigste
die durch Anschauung gewonnenen Anregungen
zu unterstützen und zu fördern vermag.
Der als vortragender Rat in das preußische Ministerium
berufene Architekt Dr. Hermann Muthesius
schickt den Bildern und Plänen eine Abhandlung
voraus: »Die Bedingungen und die Anlage des modernen
Landhauses.« Muthesius sagt nichts Ueber-
flüssiges, er hält unsern Villenbesitzern und Villenbauern
einen sehr scharf geschliffenen Spiegel vor,
worein zu schauen sehr notwendig und erkenntnisförderlich
ist. Ein Kapitel der Abhandlung befaßt
sich besonders mit den baupolizeilichen Vorschriften
und dürfte mit ebensowenig Freude als vielem
Nutzen von unseren obersten »Baubehörden« gelesen
werden. Dr. E. w. b.
Für die Redaktion verantwortlich: H. BRUCKMANN, München.
Verlagsanstalt F. Bruckmann A.-G., München, Nymphenburgerstr. 86. — Druck von Alphons Bruckmann, München.
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_12_1905/0422