Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 12. Band.1905
Seite: 458
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^=4^> GARTENGESTALTUNG

GARTENGESTALTUNG
in.

Aus dem Parke *)

Wir verlassen heute die heimliche Enge des
Hausgartens. Unser Thema sei der Park;
vorzüglich seine landschaftlichen Teile. Park
im Sinne einer großen privaten Gartenanlage.
Das Zentrum auch hier der Wohnsitz - - Villa,
Landhaus, Schloß — in dessen Sphäre die
architektonische Gestaltung herrscht. Rings
aber breiten sich weite Flächen, auf denen
der „Landschaftsgärtner" allein schalten und
walten darf. Frei, ungehindert, nicht mehr
Untertan dem ihm innerlich fremden Werke
des Baumeisters. Jetzt erst ganz er selbst,
der Natur Schüler und Beherrscher. Hier
kann er sich als „freier Künstler" fühlen, kann
zeigen, was er Eigenes zu geben hat.

Es liegt ein Widerklang in den Worten
„architektonisch" und „landschaftlich" (sofern
es gestattet ist, diese gebräuchlichen
Schlagworte zu adoptieren). - Als Architekt
zwingt der Gartenkünstler sein Material in

') Vgl. auch Januar- und Märzheft 1905, S. 166 u. 240.

fest umrissene, dessen ungebundenem Leben
oft widerstrebende Formen. Er löst es mit
Bewußtsein aus jedem natürlichen Zusammenhange
, gerade hierdurch es oft zu überraschender
Wirkung steigernd.

In landschaftlichen Szenen beläßt er die
Gewächse in ihrem innigsten Zusammenleben.
Nicht so sehr ihre Einzelcharaktere, als die
— oft allerdings durch solche bedingten —
Gesamtzüge des Landschaftsbildes sucht er
zu übertragen.

Und gleicht der Garten gestalter dem Baumeister
, der ein starres Material zu scharf
formalem Ganzen zusammenfügt, so gemahnt
der L a n ds ch a f t s gärtner an den Bildhauer,
der seines Vorbildes Leben schmiegsamem
Ton einzuhauchen sucht. In den Merklinien
seiner landschaftlichen Gestaltung will der
Gartenkünstler den Stimmungsgehalt desNatur-
motivs widerklingen lassen. Darum gilt es
ihm, diese jedem Naturmotiv eigene Grundstimmung
zu erfühlen. Es gilt ihm, sich der

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