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^=4^> GARTENGESTALTUNG <&^~
SCHLOSZ CHARLOTTENHOF: PERGOLA
nischen, und zwar vorzüglich deshalb, weil
hier das für die Hauptwirkung Maßgebende
durch architektonische Momente in bleibenden
sicheren Formen festgelegt werden kann. Ein
Blick auf unsere Bildbeigaben möge zunächst
die Wahrheit bestätigen.
Auf Seite 458 und 459 treten uns zwei wundervolle
architektonische Parkmotive entgegen.
Das erste zeigt uns die Terrassen vor Schloß
Sanssouci, von der großen Fontäne aus gesehen
, das zweite den Blick von der untersten
dieser Terrassen in entgegengesetzter Richtung.
Kaum gibt es in Deutschland Garten-Motive, die
an Großzügigkeit der Durchführung und Wucht
der Wirkung diese Schöpfungen aus einer
reichen Zeit übertreffen. Wohl beeinträchtigt
die zentralperspektivische Verkürzung durch
die Linse die bildliche Wiedergabe. Ein Maler
könnte das Bedeutsame weit anders herausholen
. Doch wer die Stätte kennt, dem wird
auch solch ein Bild die Wirklichkeit lebhaft
zurückrufen; der Worte näherer Beschreibung
bedarf es nicht.
Von ruhiger Größe wenden wir uns zu
behaglich-reizvoller Kleinheit. Ein Stück der
Pergola am Schlosse Charlottenhof zeigt unser
Bild auf dieser Seite. Ist es nicht leicht, Gartenkünstler
sein, wenn man mit einem trefflichen
Architekten Hand in Hand arbeiten kann?
Stimmungsvoll ist auch der Haupteingang
zu den Anlagen um Sanssouci. (Abb. S. 461.) Ich
werde immer des Sommermorgens gedenken,
an dem ich mit dieser Photographie die Reihe
meiner Aufnahmen in den an Schönheiten
so reichen Anlagen eröffnete. Hier herrscht
infolge der verschiedenen sich drängenden
Schloßkomplexe folgerichtig die architektonische
Gestaltung im Parke vor. Doch fehlen
zwischen Sanssouci, Charlottenhof und dem
Neuen Palais große rein landschaftliche Teile
nicht. Auch sie sind nicht arm an guten
Einzelheiten.
Eine recht ansprechende Partie dünkt mich
das Bild auf Seite 463. Sie spiegelt ganz den
Geist der bis heute herrschenden landschaftsgärtnerischen
Epoche wieder. Einer Epoche,
die wir im Interesse eines Fortschrittes allerdings
bald überwinden müssen. Sie hat gewiß
in den Werken eines Sckell, Pückler,
Lenne, Siesmayer u.a. nicht zu verkennende
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