Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 13. Band.1906
Seite: 41
(PDF, 172 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_13_1906/0073
-^a2> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN «einsehbarer
Zeit seine eigenen Ausstellungsräume
in New York errichten und mit Erfolg betreiben
kann.

Die Amerikaner selbst, Künstler sowohl als
Kunstfreunde, würden einen solchen „Salon",
von den richtigen Leuten geleitet, lebhaft begrüßen
, denn sie sind viel zu großzügig, um
sich durch kleinlichen Neid beeinflussen zu
lassen, und feinfühlig genug, um die ethische
und kulturelle Bedeutungeines
Unternehmens
zu verstehen, welches
schließlich ihrem Lande
und dessen Bewohnern
die wesentlichsten Vorteile
bringen soll.

Da das Programm einer
solchen Vereinigung darin
zu bestehen hätte,
die Gesamtinteressen der
deutschen Kunst ohne
jede Rücksicht auf irgend
eine Parteizugehörigkeit
zu vertreten, so ist wohl
anzunehmen, daß man
Künstler aller Richtungen
und Parteien für eine
tätige Mitwirkung gewinnen
könnte. Bei der Verfolgung
eines so eminent
praktischen Zieles darf
man zumindest voraussetzen
, daß alle sogenannten
prinzipiellen Differenzen
fallen gelassen
werden. Es handelt sich
mir nicht um eine jener
Ideen, welche man ebenso
leicht konzipieren als
schwer zur Tat werden
lassen kann. Was ich vorschlage
, ist meines Erachtens
wohl der einfachste
und sicherste
Weg, um ohne übermäßige
Schwierigkeiten,
aber auch ohne übermäßige
Kosten der deutschen Kunst in Amerika
den ihr gebührenden Platz am Markte zu
sichern.

V. J SfiGOFFIN RELIGIÖSER tanz
IX. Internationale Kunstausstellung in München

GEDANKEN ÜBER KUNST

Jede Entfernung von der Natur in der Kunst ist
entweder Stil, wenn die Entfernung nach den Forderungen
des Ideals geschieht, Manier, geschieht sie
aus was immer für einem anderen Gesichtspunkt.

Grillparzer

VON AUSSTELLUNGEN

UND SAMMLUNGEN

BERLIN. Im Kunstsalon Keller & Reiner gibt es
zum Saisonbeginn einen homo novus: den Landschafter
Carl Lambrecht aus Weimar. Der
27jährige Künstler ist Schüler von Theodor Hagen.
Außer diesem aber haben auf ihn Leistikow und
besonders stark Christian Rohlfs gewirkt. Von Hagen
hat er die Vorliebe für etwas weiträumige Kompositionen
und für ein kaltes
Grün in der Vegetation, Leistikow
machte ihm Lust, die
Natur in Form und Farbe
stilisiert wiederzugeben, und
Rohlfs lehrte ihn, das Zittrige
und Splittrige von Gras,
Zweigen und Stämmen schon
rein technisch durch den
Farbenauftrag auszudrücken,
und vererbte ihm dazu seine
Vorliebe für die Birke, deren
fleckiges Kleid und unruhige
Zweige ihn selbst in seiner
Weimarischen Zeit künstlerisch
so lebhaft gereizt hatten.
Der offenbar begabte Maler
scheint sich über die Richtung
seines Talents noch
nicht klar zu sein. Soweit
die Ausstellung ein Urteil
darüber gestattet, liegt seine
Stärke nicht auf der Seite der
großen Malerei, sondern in
dem Gefühl für Stimmung
und in einer gewissen Intimität
. Seine umfangreichen
dekorativen Bilder: das Gewirr
von kahlen Kiefernstämmen
in der »Waldestiefe
«, die »Fallenden Blätter
«, das nächtliche >Am
Weiher« haben ohne Frage
etwas in der Stimmung, was
gefühlt ist und darum Eindruck
hinterläßt; aber die
Malerei ist zu dünn und
kraftlos. Die Bilder erhalten
dadurch etwas Leeres, Unlebendiges
und Langweiliges.
Sobald Lambrecht sich im
Format beschränkt, wobei er
dann meist im Technischen
Anschluß an Rohlfs sucht,
kommt sein eigenes Gutes
sehr kräftig und überzeugend
zum Ausdruck. Ein
ganz besonders gelungenes Stück dieser Art sind
seine »Birken im Park«, deren helle Stämme geheimnisvoll
durch ein kaltes, abendliches Dunkel
leuchten. Ueberhaupt liegen dem Künstler ernste,
melancholische Stimmungen, Herbst, graue Tage,
Dämmerungen am besten, und neben der zierlichen
Birke zieht ihn die phantastische Weide am meisten
an. Mit dem strahlenden Licht des Tages weiß er
garnichts anzufangen. Seine Sonnenflecken in der
»Tiefurter Allee« und anderen seiner Gemälde sind
rührend hilflos ins Bild gesetzt. Interessant ais Komposition
ist Lambrechts »Friedhof« mit einem schattenhaften
grauen Gebüsch in der Mitte und weißen und
schwarzen Grabkreuzen zur Seite; aber auch hier ver-

Die Kunst für Alle XXI.

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