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-^*«4^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <ö^-
hindert die kraftlose Pinselführung, daß die Empfindung
, die in der Arbeit steckt, voll zur Geltung gelangt
. Das Erfreulichste unter den einigen dreißig Bildern
des Malers bleiben jedenfalls die Birken- und
Weidenstudien und einige Herbstlandschaften, vor
allem mehrere Darstellungen der Belvedere-Allee, in
denen sich auch ein gewisser guter Farbengeschmack
äußert. Am wenigsten liegt dem Maler wegen seiner
Neigung für das Intime die stilisierte Landschaft.
Den >Kartoffelacker« läßt man sich noch gefallen,
aber der >Blaue Berg« ist eine Entgleisung, auch
nach der Seite der Farbe. Immerhin hat sich Lambrecht
nicht übel eingeführt; aber er wird auf sich
achten müssen, um auf dem richtigen und seiner
Anlage gemäßen Wege zu bleiben. — Ed. Schulte
führt in seinem Salon eine sehr abwechslungsreiche
Kollektion von Bildern des am 14. September 1903 verstorbenen
Schweizer MalersERNSTSTüCKELBERG vor.
Die Verehrung, die der Kunst ler bei seinen Landsleuten
genießt, läßt sich eher erklären aus seiner patriotischen
Gesinnung als aus der Eigenart seiner Leistungen
. Denn im Grunde ist er ein Eklektiker gewesen
, der nur in der Stoffwahl das nationale Element
betont. Er war ein Schüler von Wappers, steht aber
diesem sehr viel weniger nahe als seinem zum
Franzosen gewordenen Landsmann Charles Gleyre,
F R I T Z C H RIS T SUSANNA
IX. Internationale Kunstausstellung in München
HEINRICH WIRSING MELONENESSER
IX. Internationale Kunstausstellung in München
dem er sich nicht nur im Koloristischen, sondern
auch in den Motiven anschließt, wie im >Echo«,
iri den »Sirenen«, der »Erythräischen Botschaft an die
Tarquinier« und in den »Kindern aus der Fremde«,
die singend und lautespielend die Schönheit und
Grazie der antiken Welt in ein barbarisches Land
tragen. Auch die besseren von Stückelbergs Bildnissen
, besonders das einer geistvoll blickenden
schönen Frau Gerichtspräsidentin B., das seiner
jungen Gattin, ein Selbstporträt, eine Familiengruppe
muten ganz französisch an. Ueberall etwas Pose
und vielleicht am stärksten in dem naturalistischen
Bildnis der eigenen Mutter. Auch an Böcklin wird
man hier und da erinnert, bald durch eine Baumgruppe
, über der ein weißblauer Himmel ä laRömische
Landschaft steht, bald durch eine Komposition, die
an die >Villa am Meer« anklingt. Ein starkes Gefühl
steht hinter keinem dieser Bilder, und das
Gesuchte und Schauspielerische in dieser Kunst
wird besonders offenbar in einem Bilde >Tod und
Leben«, wo im Angesicht einer auf einem Hügel
gelagerten italienisch schweizerischen Stadt ein Totengräber
ein neues Grab an Stelle eines alten aus-
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