Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 13. Band.1906
Seite: 44
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_13_1906/0076
^=4^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <ö^-

schaufelt. Das beiseite geworfene vermorschte Grabkreuz
trägt Namen und Geburtstag des Künstlers, und
in der Grube stehend, langt eben der Totengräber den
Schädel des vor langen Jahren Bestatteten aus der
schwarzen Erde. Ein Mädchen, das einen Blumenstrauß
in der Hand trägt, und eine junge Frau, in
deren Schoß ein Kind schläft, schauen ihm zu. Während
das Mädchen ganzruhigund heiter au f das Symbol
des Vergehens in der Hand des alten Mannes
blickt, macht die junge Mutter unmotivierterweise ein
völlig entsetztes Gesicht. Das ist falsch im Gefühl;
denn wer zusieht, wenn ein altes Grab aufgegraben
wird, muß erwarten, Reste des Toten zu sehen. Das
Bild ist aber leidlich fein in der Farbe; ein helles
Graugrün, in dem Schwarz und Weiß recht pikant
stehen. An Stückelbergs wichtigste und bekannteste
Arbeit, an die Bilder in der Tellskapelle erinnern
hier mehrere im Künstlerischen sehr ungleiche
Studien zu Geßler, Teil, Teils Frau und einigen
Landleuten, denen ein gewisser monumentaler Charakter
nicht abzusprechen ist. Daß der Künstler
sehr frisch und natürlich sein konnte, wenn er
nicht an die Leute dachte, die seine Bilder ansehen
sollten, wird durch eine Anzahl kleiner, vor der
Natur- entstandener Skizzen von Landschaften und
Landleuten, meist in Italien gemalt, bewiesen. Eine
wenig erfreuliche Bekanntschaft macht man in dieser
Ausstellung an Paul Lumnitzer, der ohne Spur
von Empfindung für den besonderen Charakter einer
Landschaft in allen möglichen Gegenden gemalt hat
und in der Regel die verschiedenen Farben in der
Natur nicht zusammenzuhalten weiß. Hugo Schimmel
, der Landschaften, Interieurs, Bühnenbilder
und Stilleben malt, bekundet dagegen in seinen
Bildern einen gewissen Farbengeschmack, ist aber
so ungleich in den einzelnen Leistungen, daß man
zuweilen glauben möchte, diese oder jene rühre von

einem ganz anderen Künstler her. Uebrigens ist
er in Empfindung und Auffassung von einer handgreiflichen
Oberflächlichkeit. Die hier vorgeführte
Gruppe schwedischer Künstler vermag ebenfalls
kein tieferes Interesse zu erregen mit Ausnahme
von Gustav Adolf Fjaestad. Von den Japanern
ausgehend, hat er sich allmählich eine eigene Art
zurechtgemacht, die nach der Seite der Dekoration
vielleicht eine Entwicklung hat und sich bereits in
einigen hier ausgestellten Gobelins vorteilhaft bewährt
. Der Künstler sucht das Typische zu erfassen,
das ein verschneiter Baum, eine Birke im Frühling,
das Meerwasser in der Dünung und im Sonnenschein
hat, und kommt, besonders wenn er zugleich eine
Naturstimmung zur Darstellung bringt, zu sehr
schönen Resultaten, obschon nicht immer zu ganz
einwandfieien Werken. Aber ein Zipfelchen von
der zauberischen Schönheit der Wirklichkeit erfaßt
er meist, wofür hier zwei in der Morgenbrise des
Frühlings graziös ihre lichten Kronen wiegende
Birken, ein Ausschnitt aus einer Birkenkrone gegen
eine abendliche blaue Luft, eine Wasserstudie, eine
ganz ins Zeichnerische übersetzte Landschaft, »Frühlingserwachen
«: und ein paar Schneestudien Zeugnis
ablegen. Ob man die Landschafterin Esther Alm-
quist, deren üppige »Birke« und »Vollmond im
Juli« nicht übel aussehen, den Tiermaler Ernst
N. KüSEL, den Porträtmaler und Landschafter Hil-
ding Nyman nach den vorhandenen, recht unbedeutenden
Leistungen beurteilen darf, scheint fraglich
. Aber ganz sicher ist der Zeichner Knut
Stangenberg ein beachtenswerter Karikaturist.
Die Art, wie er seinen Landsmann Carl Larsson
in seinem häuslichen und künstlerischen Dasein
verspottet, läßt auf vielen und ursprünglichen Humor
schließen. Zu erwähnen bliebe noch ein ernstes
Wollen verratendes lebensgroßes Familienporträt

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