Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 13. Band.1906
Seite: 108
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^r4^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^=^

bini (>Magna domus magna quies«); Antonio Car-
minati (>Meine Frau«) (Plastik).

HAMBURG. Die Kunsthalle hat am 2. Oktober
für die Dauer von zwei Monaten eine Ausstellung
eröffnet, die über die von Direktor A.
Lichtwark in die Wege geleiteten lokalgeschichtlichen
Feststellungen in betreff der Hamburgischen
Kunst mittels Anschauung weitgehende Aufschlüsse
gibt. Von den ausgestellten etwa 1000 Werken
dient die Mehrzahl der Beförderung dieser geschichtlichen
Feststellung; sie sind von hamburgischen
oder zu Hamburg in bezug getretenen Künstlern
gearbeitet und im ersten Stock untergebracht.
Im Parterre sind die holländischen und nicht hamburgischen
Meister aus dem ständigen Besitze der
Kunsthalle, soweit sie seit 1888 erworben sind, zusammengetan
. — Als künstlerischer Kernpunkt dieser
Ausstellung darf wohl der berühmte Grabower Altar
von 1379 bezeichnet werden, der von dem nachweisbar
in der Zeit von 1367 bis 1415 in Hamburg tätig
gewesenen Maler-Bildhauer Bertram teils in Holzschnitzereien
teils in Tafelgemälden ausgeführt
worden ist. Nachdem durch geraume Zeit dieser
Altar für Lübecker Arbeit gegolten, wurde er auf
Grund abschließender Forschungen von Seiten des
Schweriner Museumsdirektors Friedrich Schlie auf
dem Kunsthistorikerkongreß in Lübeck im Jahre 1900
für Hamburg reklamiert und zwar als dessen Hauptaltar
von St. Petri. Auf Grund dieser autoritären
Feststellung weiter schreitend, vermochte Direktor
A. Lichtwark seither eine große Zahl von Bildern
und Skulpturen des Schöpfers des Grabower Altars
ausfindig zu machen und die wertvollsten für die
Kunsthalle in Hamburg zu erwerben. Außer diesem
Grabower sind noch zwei andere Altarwerke des-

w.claudius des kunstlers mutter

ludwig michalek des kunstlers mutter

selben Meisters der Buxtehuder und der Har-
vestehuder Altar - von der Kunsthalle erworben
und zur Ausstellung gebracht worden. Lichtwark hat
über diese Altäre ein durch seine erschöpfende
Gründlichkeit bemerkenswertes Erläuterungswerk
geschrieben.

Nächst den Altarwerken des Meisters Bertram und
einer Reihe herrlich im Ton erhalten gebliebener
Passionsbilder, die von Bertrams unmittelbarem Nachfolger
, dem Meister Franke, herrühren und die schon
seit einiger Zeit zu den Zierden unserer Kunsthalle
gehören, dürfte wohl die von Kunstfreunden gegründete
Sammlung von Bildern aus Hamburg das Interesse
der Besucher in hervorragendstem Maße auf
sich ziehen. An dieser Sammlung, die in der Absicht
gegründet und entwickelt ist, den hervorragendsten
deutschen Meistern der Gegenwart das vorher
kaum beachteteGebietunsererLandschaft undunseres
Volkslebens zu erschließen und ihnen namentlich im
Bildnisse bedeutende Aufgaben zu stellen, sind von
zeitgenössischen Künstlern Hubert v. Herkomer,
Graf L. v. Kalckreuth, Hugo Vogel, W. Trübner,
M. Slevogt, Max Liebermann mit Bildnissen beteiligt
, in denen, wie schon die Namen erraten lassen,
allen Strömungen der Jetztzeit Rechnung getragen
ist. Die Erbringung des Beweises, daß Hamburg
eine selbständige und reiche künstlerische Vergangenheit
schon zu einer Zeit besaß, als von niederländischen
und holländischen Einflüssen noch nicht die
Rede sein konnte, ist ein verdienstvolles Ergebnis
dieser hochinteressanten Ausstellung, deren
zweites in der Erbringung des Nachweises besteht,
daß ein junges, von den werktätigen Sympathien der
Bürger getragenes Museum, wie das unsere, auch

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