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-*^=ö> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^=*-
KARL STAUFFER-BERN DES KÜNSTLERS MUTTER
Mit Genehmigung des Verlages Amsler& Ruthardt, Hofkunsthandlung, Berlin
des Innenraumes gemalt
und außerordentlich
delikat die
zarten, gelbgrauen
und blaßroten Töne
des letzteren zuein-
andergestimmt. M.
Stern (Düsseldorf)
zeigt eine Kollektion
von 16 Oelgemälden
sowie einige Lithographien
: es sind
sichere Porträts und
derbe Volksszenen
niederrheinischen
und holländischen
Charakters. — Im
Kunstsalon Lenobel
sind neuausgestellt
Gemälde von Ferd.
Brütt (Cronberg)
mit ihren oftmals gerühmten
Qualitäten;
dann vier köstlich
frische Landschaften
von Rud. Sieck und
75 Zeichnungen von
Reznicek, Thöny,
Caspari, Münzer,
Georgi, Heilemann
, W. Schulz
und B. Paul. — Im
Lichthofe des Kunstgewerbemuseums
sah
man eine Ausstellung
des »Vereins der Künstlerinnen und Kunstfreundinnen
zu Berlin«: kunstgewerbliche Arbeiten aller Art
und graphische Kunst umfassend. Darunter einige
Blätter von Käthe Kollwitz und auch sonst noch
gute und geschmackvolle (meist »fleißige«) Arbeiten;
das Ganze aber ein Dokument bedauerlicher Impotenz
in Hinsicht auf künstlerische Originalität. — Das
Kupferstichkabinett des Wallraf- Richartz- Museums
brachte eine vorzüglich gewählte und angeordnete
Ausstellung »Das Porträt in der graphischen Kunst
vom 15.—20. Jahrhundert«; die Blätter, meist Kupferstiche
, aber auch Radierungen, Lithographien usw.,
waren nur zum kleineren Teile (wo unumgängliche
Lücken ausgefüllt werden mußten) Reproduktionen,
zum größeren aus den Eigenbeständen des Museums
entnommene Originale. Fortlage
DERLIN. Nichts verleiht einer künstlerischen Per-
sönlichkeit mehr Relief als natürliche Eigenart. So
viele sie zu haben vorgeben, so wenige besitzen sie.
Wilhelm Hammershöj hat sie ohne Zweifel. Das
Natürliche seiner Eigenart wird dem besonders klar,
der ermessen kann, wie tief sie im Charakter des
dänischen Volkes wurzelt. Hammershöjs Kunst ist
so bodenständig wie die Poesie Jakobsens. Die
ganze ästhetische und künstlerische Kultur seines
Vaterlandes steht dahinter und jener feine und ein
wenig müde Geist, der die Besten seines Volkes
auszeichnet, der die Stille liebt und die leisen Reize
und dem alle Dinge zu Symbolen seiner Stimmung
werden. Die Bilder von Hammershöj, von denen
Ed. Schuttes Kunstsalon in seiner neuen Ausstellung
eine große Kollektion bringt, gehören nicht zu jenen
Werken, die auf den ersten Blick gefangen nehmen
oder gar verblüffen. Sie wollen, wie Menschen,
die nicht mitteilsam sind, beobachtet sein. Es ist
nichts von Erzählung darin. Ihr Gehalt beruht
einzig in der Stimmung, die sie vermitteln, die für
grobe Sinne vielleicht
nicht einmal
wahrnehmbar ist, den
empfindungsvollen
Menschen aber, so
wenig sie sich definieren
läßt, fast
mit Gewalt in ihren
Bann zieht. Es kann
einem leicht geschehen
, daß man vor
einem der Interieurs
des Künstlers, das
dem Auge nicht viel
mehr bietet als eine
graue Wand mit einem
in viele Scheiben
geteilten Fenster
und vielleicht noch
ein altes Möbel, ein
Sofa, eine Truhe, einen
Stuhl, ins Träumen
gerät und alles
Uebrige darüber vergißt
. Alle diese Interieurs
, zu denen
des Künstlers altertümliches
Haus die
Motive bietet, haben
etwas Kahles, Leeres
und Sparsames. Oft
halten nur zwei Farben
, Grauund Braun,
ihr Zwiegespräch darin
; aber es ist erstaunlich
, welche ausdrucksvolle Wirkung damit erreicht
wird. Der Erzähler in diesen Bildern ist das
Licht, das sanft und grau den Raum erfüllt und tausend
Worte hat, eine leere Wand zu beschreiben, und das aus
einem schlichten Möbel aus Großvaterszeiten und ein
paar Stichen darüber Wunderwerke macht. Man könnte
von Stillebenmalerei sprechen, wenn nicht alle diese
stummen Dinge eine Seele offenbarten und scheinbar
gar nicht auf das angewiesen wären, was sie als
Materie vorstellen. Es ist eben nicht die gewöhnliche
Wirklichkeit, dieHammershöj gibt, sondern eine verklärte
, eine Prosa, die reinste Poesie geworden ist.
Weniger glücklich erscheint der Künstler als Landschafter
. Er, der aus einem Stuhl eine Individualität
macht, befindet sich der Natur gegenüber in Verlegenheit
, weil ersieh der Fülle der in ihr vorhandenen
individuellen Schönheiten nicht mächtig fühlt. Er gibt
in seinen Landschaften etwas Allgemeines, veredelt
allerdings durch seinen Geschmack; aber die Eindringlichkeit
fehlt in diesem Falle. Seine „Chaussee"
von 1892, die sich, von wenigen Bäumen eingefaßt,
zwischen flachen, mageren Wiesen dahinzieht, wirkt
heut ebensowenig interessant, wie 1897 in der Ham-
mershöj-Kollektion der Großen Berliner Kunstausstellung
. Sobald der Künstler an Erscheinungen
anknüpft, zu denen er ein engeres Verhältnis hat,
wie etwa in seinem Bilde »Vom Kanal in Kopenhagen
« von 1890, kommt auch sein Gutes wieder
ganz kräftig heraus. Wie vertraut muß ihm die
Christiansborg (1890—1892) sein, daß er ein so reizvolles
Bild daraus zu machen wußte. Auch als
Porträtisten darf man Hammershöj sehr hoch stellen.
So unscheinbar seine Bildnisse nach außen sind,
so reich und kompliziert ist das, was hinter diesen
Menschen oder vielmehr in diesen Menschen steckt.
Es gibt nicht viele Bildnisse, in denen das Individuelle
eines Menschen nach so zahlreichen Seiten
geschildert wird wie in den Porträts, die der dänische
Die Kunst für Alle XXI.
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