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-^^> MAX SLEVOGT <^=^
so teuer als anderen Malern. Ihn zieht mehr
das in ihr an, was die Phantasie erregt, die
sinnliche und erfindende. Daher seine Neigung
für die Welt der Bühne, für das Zauberspiel
von Licht und Farbe. Aber möchte man
ihn anders wünschen ! ? Objektiver? Weniger
effektvoll? Weniger leidenschaftlich? ]a, übersieht
man denn, daß Slevogt etwas Höheres
will, kann und zu erreichen sucht als das
Alltägliche, daß er
eine Natur ist,
eine Erscheinung
mit eigenen Gesetzen
in sich?
Würdeer sonstso-
viel Widerspruch
erregt haben? Angeborene
Kraft
und Eigenheit bestimmen
aber
nichtnur mehrals
alles Uebrige des
Menschen Schicksal
, sondern auch
das Schicksal der
Kunst. Und gerade
gegenüber
Slevogtsollte man
sich des Goethe-
schen Wortes erinnern
:
„Original sein,
heißt, in seinen
individuellen Zuständen
das Rechte
finden."
Dann wird man
schon verstehen,
warum er so ist,
wie er ist, und
warum die deutsche
Kunst auf
sein Dasein schon
jetzt so etwas wie
stolz sein darf. max slevogt
GEDANKEN ÜBER KUNST
Der Maler soll nicht den ganzen Schatz seiner
menschlichen Natur in seine Arbeit legen, lediglich
um einem Teil des Zuschauers wohlzugefallen; nicht
nur seine Sinne zu ergötzen, nicht nur seine Phantasie
zu unterhalten, nicht nur ihn in Gemütsbewegung
hineinzutäuschen, nicht nur ihn zum Nachdenken
zuführen, sondern um das alles zu tun. Sinne,
Phantasie, Gefühl, Vernunft, das Ganze des betrachtenden
Geistes muß in Aufmerksamkeit gestillt
und freudig erregt werden; sonst hat der arbeitende
Geist sein Werk nicht wohl verrichtet.
Ruskin
VON AUSSTELLUNGEN
UND SAMMLUNGEN
"CRANKFURT. Die Folge der zum fünfzigjährigen
* Jubiläum des Kunstvereins veranstalteten Ausstellungen
hat nun die VII. Jahresausstellung Frankfurter
Künstler geschlossen. Auf die Ueberschau über
das einstige Schaffen der Toten ist damit die Betätigung
des Könnens der lebendigen Gegenwart gefolgt.
Leider hat diesmal aber die Vergangenheit ganz entschieden
über diese
Gegenwart gesiegt,
denn was die dicht
mit Bildern gefüllten
Säle des Kunstvereins
bieten,reicht
bedauerlicherweise
nur in ganz einzelnen
Arbeiten über ein
anständiges Durchschnittsmaß
hinaus.
Es war kein glücklicher
Gedanke, aus
einheimischem Privatbesitz
ein paar
alte Bilder Hans
Thoma's auszugraben
, die mit ihren
trockenen harten
Farben des Altmeisters
Kunst nicht
würdig repräsentieren
. Selbst Stein-
hausen's vom
himmlischen Licht
erblindeter Apostel
Paulus, ein großes,
von nazarenischem
Geiste erfülltes Bild,
wirkt in seiner dem
Motiv widersprechenden
Farblosig-
keit durchaus konventionell
. Trüb-
ner'sgroßes Reiterbild
des Großherzogs
von Hessen gibt
zwar einen trefflich
gemalten Rotfuchs,
aber als Lösung einer
Porträtaufgabe
ist es leider verfehlt.
Von den in Frankfurt
lebenden Ausstellern
verdient Wilhelm
Altheim mit
seinem fein durchgeführten
Aquarell >Husar mit Pferd« besonderes Lob.
Gute Porträts haben Prof.BoDE und Ottilie Röderstein
gesandt. Ein kräftige Farben wagendes, aber
solid durchgearbeitetes Bauerninterieur aus Oberhessen
stammt von Emil Beith an, ein anderes mit der
gut charakterisierten Staffage einer alten Kartoffelschälerin
von Emil Gies. Unter den Landschaften
fällt Karl Piepho's Ampertal wegen der eigenartig
weichen Behandlung der Lufttöne vor allen andern
günstig auf, ihm steht ein Dachaubildchen von
Paul Klimsch nahe, und mit bekannter zierlicher
Feinheit sind zwei Studien von Hans Burnitz gefertigt
. Daneben wären beachtenswerte Leistungen
von Egersdörfer, Professor Franck, Pfähler,
Chelius und Woltze mit Anerkennung zu nennen.
der bure (1902)
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