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•^£> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^W-
das Licht von Sonne und Mond immer stärker aus den
Bildern leuchtet, das bedeutet eine koloristische Entwicklung
von erstaunlicher organischer Kraft, und
eine Entwicklung zudem, die noch nicht abgeschlossen
ist. — Auch Reiniger ist aufs beste vertreten,
so mit einem »Abend im Feuerbachtal«, einem jener
Stimmungsbilder nach einem Gewitter, mit den mächtig
sich auftürmenden Wolken, oben gestreift von den
Strahlen der sinkenden Sonne, ferner mit einigen
Bildern aus früherer Zeit, aus deren einfachen Naturschilderungen
eine merkwürdige Kraft zu entströmen
scheint, vor allem aber mit einem »Bächlein am
Abend«, einer Tauwetterstimmung des Vorfrühlings
von einer machtvollen Größe. — Unter den sonstigen
Werken sollen noch eine Anzahl flott und breit gemalter
Arbeiterstudien von Friedrich Keller, sowie
ein farbenschönes Goldfischestilleben von Frz.
Lang erwähnt sein.
W/IEN. Den 29. Oktober wurde in der Galerie
Miethke eine Ausstellung des künstlerischen
Nachlasses des im Vorjahre verstorbenen Professors
Rudolf Ribarz eröffnet. Der reich illustrierte
Katalog umfaßt 208 Arbeiten des Künstlers aus
allen Schaffensperioden, überdies eine Anzahl von
Werken ausländischer Meister, wie Raffaelli,
Kuehl, Toni Stadler, Munkacsy u. a. Dienstag
den 7. November begann die Auktion des Nachlasses
. — Die demnächst im Künstlerhaus zur Eröffnung
kommende Herbstausstellung der Wiener
Künstlergenossenschaft wird die Gedächtnisausstellung
für Professor R. Ribarz enthalten, da der
Verstorbene langjähriges Mitglied der Genossenschaft
war. Außer diesem werden eine Anzahl von
max'slevogt
der jäger (1902)
Künstler wie Gottlieb Kempf Edler v. Harten-
kampf, Ed. Zetsche, K. Pippich, V. Scharf
und Hans Larwin mit Kollektionen vertreten sein,
ferner M. v. Posch, V. Krauss und Em. Baschny
neben anderen einzelnen Arbeiten der Mitglieder.
— Professor Moll ist gegenwärtig mit der Sichtung
des künstlerischen Nachlasses Rud. v. Alts
beschäftigt. — Der äußerst reichhaltige Nachlaß
umfaßt etwa 400 Aquarelle, Bleistiftzeichnungen,
Skizzen und auch zehn Ölgemälde, welch letztere
um so interessanter sind, als R. v. Alt sich nur
wenig mit Oelmalerei befaßte. Die Gemälde sind
durchwegs aus der früheren Zeit des Meisters,
1830—40, und stellen meist dalmatinische und italienische
Landschaften dar. Der Nachlaß soll
später bei Miethke zur Ausstellung gelangen.
JVflÜNCHEN. Die Galerie Heinemann veranstaltet
gegenwärtig eine Kollektivausstellung von
Werken des trefflichen Landschaftsmalers Josef
Wenglein. Diese Ausstellung bietet einen allgemein
orientierenden Ueberblick über sein ganzes
bisheriges Schaffen. Wengleins künstlerische Entwicklung
fällt in die Zeit, als die Meister des
>Paysage intime« in Deutschland zu wirken anfingen.
Er ist von Lier beeinflußt worden, hat aber doch
sein spezielles Gebiet in der Schilderung der
malerischen Reize unserer engeren Heimat in einem
nur ihm eigentümlichen malerischen Ausdruck gefunden
. Er schildert am liebsten das Isartal, die
Landschaft der Vorberge oder unsere Hochebene
mit einem Blicke in ihre Weiten und Fernen, mit
ihren immerwechselnden Phänomen der zarten
silbrigen Luft, den eigenartig geformten Wolken
oder den eigenartigen Zauber und Reiz
der spiegelnden Gewässer, die Farbenpracht
der Hochmoore im Herbste, die
düstere Großartigkeit der Moränenlandschaft
bei Tölz. Um seine malerische
Ausdrucksfähigkeit recht zu würdigen,
muß man vor allem die Studien und
Skizzen betrachten, deren die Ausstellung
eine ziemliche Anzahl bringt. Darin erweist
er sich als ein durchaus moderner
Maler. a. h.
MÜNCHEN. Die nächstfolgende der in
1» 1 vierjährigen Intervallen von der »Münchener
Künstler-Genossenschaft« und der
Münchener »Sezession« gemeinsam veranstalteten
großen Internationalen Kunstausstellungen
wird im Münchener Glaspalast
im Jahre 1909 stattfinden. In der Zwischenperiode
werden wie bisher die Münchener
Jahresausstellungen im Kgl. Glaspalast
fortgesetzt, hierbei wird mit der kommenden
Jahresausstellung 1906 eine retrospektive
Ausstellung bayerischer Kunst aus den
Jahren 1800 bis 1850 verbunden sein. Desgleichen
wird die Münchener »Sezession«
ihre gewohnten Frühjahrs- und Sommerausstellungen
im Kgl. Kunstausstellungsgebäude
am Königsplatz weiterführen.
LJAMBURG. Ende Oktober hat Herr
*■ *■ W. Suhr, der derzeitige Inhaber der
ältesten Hamburger, im Jahre 1821 gegründeten
Kunsthandlung, dem bereits seit
mehreren Jahren im Anschluß an diese
Kunsthandlung bestehenden ersten, einen
zweiten Ausstellungssalon gestellt, der sich
am frequentiertesten Punkte der inneren
Stadt, der zugleich der fashionabelste ist,
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